Von der Backstube in den Hörsaal: Konditorin und Studentin triumphiert bei Bundesentscheid
Mit Zucker, Präzision und viel Herzblut hat sie es zur besten Konditorjunggesellin 2025 geschafft: Jasmin Berroth verbindet Familientradition mit Innovation. Nach ihrer Ausbildung zur Konditorin studiert sie heute Food Management an der DHBW Heilbronn bei der Landbäckerei Baader. Im Interview spricht sie über ihr Sieger-Schaustück „Shawn das Schaf", den Druck bei Wettbewerben und warum Essen mehr können sollte als nur den Hunger stillen.
Was hat dich dazu gebracht, Konditorin zu werden?
Nach dem Abitur wollte ich unbedingt etwas Praxisnahes machen und da schien mir das Handwerk ein guter Weg zu sein. Seitdem ich denken kann, backe ich super gerne und habe Spaß daran, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Mein Opa, mein Papa und mein Bruder haben alle eine Ausbildung im Bäckerhandwerk gemacht. Somit bin ich damit aufgewachsen und es war für mich schon immer toll zu sehen, was man alles mit den Händen erschaffen kann, das dann auch noch gut schmeckt. Konditorin bin ich deshalb geworden, weil es mir Spaß macht, auf jedes Detail zu achten, neue Kreationen zu entwickeln und Menschen ein tolles Geschmackserlebnis zu bieten.
Warum hast du dich nach deiner Ausbildung für das Studium Food Management entschieden?
Nach der Ausbildung wollte ich mich noch weiterbilden. Da ich mit meiner Ausbildung schon im Lebensmittelhandwerk tätig war, war dieses Studium perfekt für mich, um sowohl die nötigen BWL-Grundkenntnisse zu erlangen, als auch mich noch mehr mit dem Thema Lebensmittel, Ernährung und Nachhaltigkeit zu beschäftigen.
Was war für dich emotional der größte Moment im Landes- und Bundesentscheid?
Beim Landesentscheid war es definitiv der Moment, als man realisiert hat, dass alles wunderbar geklappt hat und man sein Bestes abliefern konnte – und dies dann auch noch für den Sieg gereicht hat. Beim Bundesentscheid stand ich noch einmal mehr unter Druck vor und während dem Wettbewerb, sodass diese ganze Anspannung danach abgefallen ist. Ein Zuckerschaustück aufzubauen, was 75 cm hoch ist und jederzeit zusammenfallen kann – allein deswegen, weil die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist – hat mich emotional noch einmal ganz anders gefordert.
Wie war die Atmosphäre bei den Entscheiden – gab es große Unterschiede?
Ja, der Landesentscheid war relativ klein und hatte nicht diese große Medienaufmerksamkeit wie der Bundesentscheid. Dadurch stieg der Druck deutlich. Und allein, dass man so kurz davor ist, die beste Konditorjunggesellin 2025 zu werden – dann wachsen auch die Ansprüche an sich selbst. Trotzdem haben wir als Teilnehmer uns alle super verstanden und dadurch haben wir es alle als Team zusammen gemeistert.
Warum hast du dich für das Thema „Shawn das Schaf" entschieden?
Das Thema der Wettbewerbe war Landleben. Da musste ich einfach sofort an „Shawn das Schaf" denken, was ich als Kind immer super gerne geschaut habe.
Gab es besondere Anforderungen für die einzelnen Kategorien?
Ja, es gab genaue Anforderungen, was und in welcher Stückzahl zu welchem Zeitpunkt fertiggestellt sein sollte für die Fachjury zum Probieren. Außerdem bewertet die Fachjury alle Werke nach vielen verschiedenen Kriterien: Da müssen Haptik, Mundgefühl, Geschmack, Handwerklichkeit, Aussehen und die Arbeitsweise stimmen.
Wie bekommst du Inspirationen für deine Kreationen?
Inspirationen sieht man mittlerweile tagtäglich auf Social Media, z.B. Werke berühmter Patisserien wie Cedric Grolet. Für den Wettbewerb habe ich durch das Wissen, wie sich Lebensmittel zueinander verhalten, alle meine Rezepte selbst entwickelt und mir neue Geschmackskombinationen überlegt.
Wo siehst du dich nach dem Studium?
Nach dem Studium möchte ich erst einmal noch meinen Meister als Konditorin machen. Um danach mit meinem Wissen aus Ausbildung und Studium den Menschen leckere und neue Kreationen anzubieten, besondere Genussmomente zu schaffen und so in die Familientradition einzusteigen.
Was hast du bis jetzt aus dem Studium mitgenommen?
Mitgenommen habe ich, dass man viel bewusster essen und vor allem auch genießen sollte. Essen kann so viel mehr sein, als nur den Hunger zu stillen und nebenbei Filme zu schauen. Da man in der Konditorei traditionell mit sehr vielen ungesunden Rohstoffen arbeitet, ist es jetzt umso spannender zu sehen, was dies mit unserer Gesundheit macht. Daraus kann man sich durchaus auch wesentlich gesündere Kreationen und auch Innovationen für die Konditorei überlegen.
Wie empfindest du deine Studienzeit bis jetzt?
Super spannend, da man jeden Tag etwas Neues fürs Leben und für sich mitnehmen kann. Manchmal vermisse ich zwar die Backstube, aber wenn ich dann im Labor bin oder wir gemeinschaftlich als Kurs Plätzchen backen, freue ich mich darauf umso mehr.



