Sustainability Conference 2026: KI als Treiber für nachhaltige Abfallwirtschaft in der Region Heilbronn-Franken
An der DHBW Heilbronn diskutierten rund 150 Gäste aus Unternehmen, Kommunen, Start-ups und Wissenschaft, wie Künstliche Intelligenz die Abfall- und Kreislaufwirtschaft verändert. Die Konferenz ist eine gemeinsame Veranstaltung der DHBW Heilbronn und der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn GmbH (WfG). Studiengangleiter Prof. Dr. Andreas Reichert gab einen Überblick, welche Rolle der Studiengang BWL – Technical Management dabei spielt.
Nachhaltigkeit und Wirtschaftsstärke im Fokus
Mit rund 150 Teilnehmenden hat die „Sustainability Conference 2026“ an der DHBW Heilbronn ihre Größe im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. In diesem Jahr stellte die Veranstaltung die Potenziale von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Abfall- und Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt. Begrüßt wurden die Gäste von Prof. Dr. Andreas Reichert, Studiengangleiter BWL – Technical Management, Prof. Dr. Tomás Bayón, Prorektor der DHBW Heilbronn, sowie Laura Walter von der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn GmbH.
„Im Wirtschaftsraum Heilbronn-Franken gehen Nachhaltigkeit und Wirtschaftsstärke Hand in Hand“, betont Prof. Dr. Andreas Reichert. „Mit der Sustainability Conference bringen wir Unternehmen, kommunale Akteure, Start-ups, Wissenschaft und unsere Studierenden gezielt zusammen, um gemeinsam Lösungen für eine ressourceneffiziente Zukunft zu entwickeln.“
Dualer Studiengang BWL – Technical Management: erster Jahrgang vor dem Abschluss
Ein Schwerpunkt der Konferenz lag auf der engen Verzahnung von Lehre, Forschung und Praxis. Im Studiengang BWL – Technical Management werden in diesem Jahr die ersten Studierenden ihren Abschluss machen. Der vor drei Jahren gestartete Studiengang arbeitet mit Dualen Partnern aus dem gesamten Spektrum der Abfallwirtschaft zusammen – von Anlagenbauern über kommunale Entsorger und Straßenbaubetriebe bis hin zu Unternehmen der Mineralik- und Metallrecyclingbranche.
Die Vorteile dieser Kooperationen werden schon heute sichtbar: Dual Studierende initiieren und bearbeiten innovative Projekte, etwa ein Detektionssystem für Bioabfall, das von Studierendem Philip Schenk entwickelt wurde. „Unsere Dualen Partner bilden das komplette Portfolio der Abfallwirtschaft ab“, so Reichert. „Das erlaubt uns, aktuelle Fragestellungen direkt in Projekte zu überführen – von der KI-gestützten Sortierung über digitale Plattformen bis hin zu neuen Geschäftsmodellen und Konzepten.“
KI als Schlüsseltechnologie für Transparenz und Ressourceneffizienz
In den Fachvorträgen zeigten Vertreterinnen und Vertreter aus Anlagenbau, kommunaler Abfallwirtschaft, Industrie und Start-ups, wie breit das Anwendungsspektrum von KI in der Branche ist. So präsentierte der Data Analyst und envima-Mitgründer Nikola Basar, wie KI Unternehmen bei der Erfassung und Auswertung ihres CO₂-Footprints unterstützt. Hintergrund ist der zunehmende regulatorische Druck und die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeitsanforderungen in Lieferketten: Große Unternehmen wie zum Beispiel Mercedes fordern von 2029 an von ihren Zulieferern einen CO₂-Footprint-Nachweis – bis hinunter zur Komponentenebene.
Werden Daten zu Materialien und Prozessen per IoT erfasst, kann KI diese in Sekunden auswerten – ein Aufwand, der bislang Tage in Anspruch nahm. So wird nicht nur der CO₂-Footprint automatisiert berechnet, sondern es werden auch „Hotspots“ identifiziert, etwa besonders emissionsintensive Gehäusekomponenten. Das Ergebnis: mehr Transparenz in der Wertschöpfungskette und bessere Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen.
Praxisbeispiele: Von der Tonne bis zur vollautomatisierten Anlage
AVL-Experte Sebastian Löschner ordnete KI-Anwendungen in sechs zentrale Felder der kommunalen Abfallwirtschaft ein: Erfassung, Einsammlung, Transport, Sortierung, Recycling und Verwaltung. Beispiele reichen von intelligenten Chips an Mülltonnen, die Fehlwürfe erkennen und den Füllstand automatisch melden, bis hin zu optimierten Tourenplanungen – ein wichtiger Beitrag zur Ressourceneffizienz in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland.
Weitere Praxisbeispiele kamen von Marcel Fortuin, verantwortlich für Early Stage Innovation bei PreZero, wo KI in einem modernen Kraftwerk in Bernburg den Abfall analysiert und für einen konstanten Heizwert in der Verbrennung sorgt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass KI-Innovationen künftig stärker an den oberen Stufen der „R‑Leiter“ (Refuse, Rethink, Reduce, Reuse) ansetzen müssen, um Produktlebenszyklen zu verlängern, Mehrweg- und „As-a-Service“-Modelle zu stärken und Produkte möglichst lange im Kreislauf zu halten.
Jürgen Woll, Vice President Automation des Anlagenbauers Dieffenbacher, zeigte, wie eine vollständig im Unternehmen entwickelte KI-Plattform den Energie- und Rohstoffverbrauch in der Holzwerkstoffproduktion reduzieren kann. Über die webbasierte EVORIS-Plattform werden 4.000 bis 5.000 Prozessdaten kontinuierlich überwacht, Handlungsoptionen vorgeschlagen und Mitarbeitende über ein Inhouse-GPT-System unterstützt – mehrsprachig und geräteunabhängig. Ziel ist es, mit der geringstmöglichen Energiemenge eine konstant hohe Produktqualität zu erreichen, ungeplante Stillstände zu vermeiden und perspektivisch physikalische Stoffströme so zu modellieren, dass vollautomatisierte Anlagen Realität werden.
Region Heilbronn-Franken als Innovationsstandort für Nachhaltigkeit
Für die Region unterstreicht die Konferenz die Bedeutung von Nachhaltigkeit als Innovationstreiber. Gerade im Bereich KI und Kreislaufwirtschaft entstehen Lösungen, die weit über die Region hinaus Vorbildcharakter haben. Die gemeinsame Konferenz von DHBW Heilbronn und der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn GmbH soll auch in den kommenden Jahren als Plattform dienen, um Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzubringen und nachhaltige Innovationen im Wirtschaftsraum Heilbronn-Franken voranzutreiben.






