Studienabbruch vermeiden: Wie Studierende, DHBW und Duale Partner Hürden gemeinsam meistern
„Wie lassen sich Hürden im dualen Studium erfolgreich meistern?“ Dieser Frage widmete sich die 13. Ausgabe der Online-Veranstaltungsreihe „DHBW Live: Let’s talk about …“ unter dem Titel #studienabbruchvermeiden. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Studierende, Lehrende, Mitarbeitende und Duale Partner gemeinsam dazu beitragen können, Risiken für einen Studienabbruch im dualen Studium früher zu erkennen und passende Unterstützung anzubieten. Die Veranstaltung wurde von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), organisiert durch die Studienakademien Heilbronn und Karlsruhe, durchgeführt und griff damit ein Thema auf, das für Hochschulen, Studierende und Ausbildungsunternehmen gleichermaßen relevant ist.
Was sind die Gründe für einen Studienabbruch?
Nach der Begrüßung der knapp 50 Teilnehmenden durch Prof. Dr. Tomás Bayón, Prorektor der DHBW Heilbronn, gab Isabelle Pelz vom Education Support Center (ESC) Einblicke in die aktuelle statistische Datenlage. Vorgestellt wurden Evaluationsergebnisse von Erstsemesterstudierenden der DHBW Karlsruhe zum Themenbereich „Studienabbruch“ sowie eine Übersicht der erfassten Gründe für die Beendigung des Studiums an der DHBW Heilbronn.
Was sagt die Forschung darüber, warum Studierende ihr Studium abbrechen?
Dr. Stefen Müller und Julia Kleine, M. A., von der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU), stellten in ihrer Keynote „Studienabbruch im Hochschulkontext – Einblicke in Theorie und Praxis“ Ursachen, Modelle und Ergebnisse ihrer Studienabbruchbefragung vor. Die RPTU brachte als externe wissenschaftliche Entität eine forschungsbasierte Perspektive in die Veranstaltung ein und ergänzte die standortbezogenen Erfahrungen der DHBW um theoretische Modelle sowie empirische Befunde zum Studienabbruch.
Wie hoch ist das Risiko eines Studienabbruchs — und wann passiert er besonders häufig?
Universitäten und Hochschulen haben trotz steigender Studierendenzahlen häufig mit einer besonderen Form von Schwund zu tun: dem Studienabbruch. Studienabbrecher*innen verlassen das Hochschulsystem ohne (ersten) Abschluss und nehmen ihr Studium auch zu einem späteren Zeitpunkt nicht wieder auf. Laut Dr. Müller finden Studienabbrüche besonders häufig in den ersten beiden Semestern des Bachelorstudiums statt. Zur Einordnung verwies er auf Zahlen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). An Universitäten beträgt die Studienabbruchquote der Bachelor-Studienanfänger*innen 2020 aktuell 35 Prozent, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften 20 Prozent.
Ergänzend berichteten Teilnehmende von einer zunehmenden Zahl (25%) an Ausbildungsabbrüchen. Diese Praxiserfahrung deckt sich mit dem Ausbildungsreport 2025 des Deutschen Gewerkschaftsbunds, welcher von einer Abbruchquote von knapp 30 % berichtet. Dadurch wird deutlich, warum das Thema nicht nur für die DHBW, sondern auch für Duale Partner und Ausbildungsunternehmen eine hohe Relevanz besitzt.
Warum kommen Studierende im dualen Studium manchmal an ihre Grenzen?
Als mögliche Ursachen für Studienabbrüche nannte Dr. Müller Leistungsprobleme, falsche Erwartungen, hohen Zeitaufwand, Überforderung sowie mangelnde Studienzufriedenheit und Studienmotivation. Auch institutionelle Aspekte wie unpassende Studienbedingungen und unklare Anforderungen können eine Rolle spielen.
Die RPTU hat bereits Maßnahmen entwickelt, um falschen Erwartungen entgegenzuwirken. Dazu zählt unter anderem studentisches Mentoring, das beispielsweise auch an der DHBW Karlsruhe eingesetzt wird. Das Frühwarnsystem der RPTU greift bei einer unzureichenden Anzahl an ECTS-Punkten nach zwei Semestern und ermöglicht eine gemeinsame Reflexion mit der Fachstudienberatung. Für Duale Partner ist dieser Punkt besonders relevant, weil er zeigt, dass die DHBW bereits Maßnahmen ergreift um Studienabbrüche zu verhindern.
An wen können sich Studierende wenden, wenn sie über einen Studienabbruch nachdenken?
Zum Abschluss der Online-Veranstaltung gaben Annika Link aus dem Prüfungsamt der DHBW Karlsruhe und Ina Daum (DHBW Heilbronn) aus dem Education Support Center einen Überblick über die Beratungs- und Unterstützungsangebote der DHBW. Wird ein Studienabbruch in Erwägung gezogen, steht an der DHBW ein enges Netz aus Beratung und Hilfestellung zur Verfügung. Dazu gehören die Studiengangsleitung, das Prüfungsamt mit rechtlicher Beratung — etwa bei Beurlaubungen — sowie das zuständige Studierendenwerk, beispielsweise mit psychosozialer Beratung. Für Studierende sollte an dieser Stelle deutlich werden: Ein möglicher Studienabbruch muss nicht allein entschieden werden; es gibt mehrere Anlaufstellen, die fachlich, organisatorisch und persönlich unterstützen können.
Welche Angebote helfen (angehenden) Studierenden, sich besser auf das duale Studium vorzubereiten?
Darüber hinaus stellt die DHBW ein Online-Studienvorbereitungsprogramm zu den Themen Mathematik, Selbstmanagement und wissenschaftliches Arbeiten zur Verfügung. Dieses Angebot unterstützt insbesondere Studienanfänger*innen dabei, fachliche und methodische Grundlagen für einen erfolgreichen Studienstart zu stärken.
Ein weiteres Angebot ist die standortübergreifende Resilienz-Plattform RESI (ressourcenorientiert, effizient, strukturiert und individuell). Die Resilienz-Plattform steht allen Studierenden der DHBW kostenfrei zur Verfügung und bietet u. a. digitale Sport- und Entspannungskurse als Ausgleich zum Studium.
Was können Hochschule und Duale Partner tun, damit Studierende erfolgreich bleiben?
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Studienabbrüche zwar nicht vollständig vermeiden lassen, jedoch auch nicht grundsätzlich unabwendbar sind. Entscheidend sind die Bereitstellung, Sichtbarkeit und Kommunikation passgenauer Maßnahmen. Für die DHBW, die Studiengangsleitungen, die Prüfungsämter und die Dualen Partner bedeutet das: Unterstützungsangebote müssen frühzeitig bekannt sein, niedrigschwellig erreichbar bleiben und regelmäßig kommuniziert werden. Damit wird #studienabbruchvermeiden nicht als einmalige Aufgabe verstanden, sondern als kontinuierlicher Prozess, der Studienerfolg im dualen Studium stärkt.
Weiterführende Informationen der DHBW Heilbronn:
https://www.heilbronn.dhbw.de/studium/studienvorbereitung/
Weiterführende Informationen der DHBW Karlsruhe:
https://www.karlsruhe.dhbw.de/studium/vor-dem-studium/studienvorbereitung.html

