Students Executive Talk mit Bechtle CEO Dr. Thomas Olemotz: Warum Visionen in Zeiten des Wandels Orientierung geben

Am vergangenen Donnerstag war Bechtle Vorstand und CEO Dr. Thomas Olemotz an der DHBW Heilbronn zu Gast. In der voll besetzten Aula nahm er die Studierenden des mittlerweile zweiten Semesters mit auf den Weg durch die Erfolgsgeschichte der Bechtle AG - und den Prozess der Entwicklung einer Vision, die im Idealfall einen „langfristig realistischen Traum“ für das gesamte Unternehmen und seine Mitarbeitenden darstellt.

Prorektor Prof. Dr. Tomás Bayón stellte Olemotz vor: Jahrgang 1962, startete der promovierte Betriebswirt seinen Berufsweg als Vorstandsassistent bei der Westdeutschen Landesbank. Nach weiteren Stationen kam er im März 2007 als Finanzvorstand zur Bechtle AG, seit Juni 2010 ist er Vorstandsvorsitzender. Themen wie Strategie und Leadership sind ihm genauso vertraut wie Finanzfragen – beste Voraussetzungen also, mit den Studierenden ein nicht alltägliches Thema anzugehen und sie in den Prozess der Strategieentwicklung mitzunehmen: Welche Rolle spielen Visionen? Wozu werden sie im Unternehmenskontext gebraucht? Und wie funktioniert das Ganze?

Ehrgeizige Visionen: Die Erfolgsgeschichte eines EDV-Händlers
Interessanterweise blickt das Unternehmen Bechtle auf eine Historie zurück, in der Visionen und Zukunftsbilder schon von Anfang an eine bestimmende Rolle spielten: Die Entwicklung vom Ein-Mann-Betrieb zum europaweit führenden IT-Unternehmen startete bekanntlich 1983, als IT noch EDV hieß und PCs raumfüllend groß waren - und Ralf Klenk und Gerhard Schick zwischen einem Schmuckladen und einer Pizzeria ihr erstes Büro bezogen. Seit 1988 wurden bei Bechtle alle zehn Jahre Kurs und Ziele überprüft, dabei entstanden immer wieder ehrgeizige, mutige und bisweilen gar vermessene Visionen. 

Bereits Ende der 80er Jahre nahm man sich für das Jahr 2000 einen Umsatz von 100 Mio. DM vor und wollte den Börsengang wagen. Das schien für einen kleinen EDV-Händler mit noch nicht gefestigten Strukturen mehr als ehrgeizig – und dennoch konnten beide Ziele bis ins Jahr 2000 weit übertroffen werden.

Für 2010 formulierte man das Ziel, eine flächendeckende Systemhauspräsenz zu erreichen und eine führende Rolle im DACH-Raum einzunehmen. Auch diese Zielmarke konnte dank zahlreicher Akquisitionen und dem Prinzip der „vernetzten Dezentralität“ bei der Integration ins Unternehmen verwirklicht werden.

2008, inmitten der Weltwirtschaftskrise, klang das nächste Bechtle-Ziel nahezu unerreichbar: Fünf Mrd. Euro Umsatz, zehntausend Mitarbeitende und die Marktführerschaft in Europa – aber auch diese Vision wurde Wirklichkeit. 

Überprüfung und Neuformulierung der Unternehmensvision
2018 schließlich lautete die Vision für 2030 zunächst: Wir machen Bechtle zum IT-Zukunftspartner in Europa, der Umsatz soll bei zehn Mrd. Euro liegen und die EBT-Marge (Earnings Before Taxes Margin - Gewinn vor Steuern) 5% betragen. Jedoch in Zeiten einer sich weiter rasant verändernden IT-Branche bieten diese Ziele keine ausreichende Antwort mehr auf drängende Fragen: Wie stellen wir uns in einem internationalen Markt auf? Welchen Zweck verfolgt das Unternehmen? Wie halten wir es mit der Nachhaltigkeit? Auf diese Fragen gab die bisher formulierte Vision keine ausreichenden Antworten – es war an der Zeit, das Thema neu zu denken, die Vision zu überarbeiten und anzupassen. Nach Festlegung inhaltlicher wie formaler Kriterien lautete das Ergebnis: Bechtle ist zukunftsstark, erfahren, unternehmerisch und verbunden. Wir leben Werte wie Bodenhaftung, Beharrlichkeit, Begeisterung und Zuverlässigkeit.

In einem prägnanten Statement zusammengefasst lautet die Vision: In a world of accelerated change, we activate the potential of IT. Always prepared for success.

Das ist eine Vision, die unter wiederholter Beteiligung möglichst vieler nationaler und internationaler Mitarbeiter-Vertreter und Stakeholder formuliert wurde und den Anspruch erhebt, dass die Bechtle AG im aktuellen Krisenmodus Fortschritt ermöglicht, nachhaltig handelt und sich zu Leistung und Miteinander bekennt. 

Damit die Vision eine möglichst hohe Wirksamkeit entfaltet, muss sie langfristig Orientierung bieten, sozusagen zum „Nordstern“ des Unternehmens werden. Um dies zu erreichen, so Olemotz auf Nachfrage der Studierenden, empfehle er drei Maßnahmen: Kommunikation, Kommunikation und nochmals Kommunikation … Dass diese Strategie bereits Früchte trägt, belegen viele Mitarbeiter-Porträts, die ihr Profilbild vor dem Hintergrund des Schriftzuges „always prepared“ aufnehmen. 

Der Bechtle-CEO gibt den Studierenden die Empfehlung, sich auch persönlich auf einen schnellen Wandel einzustellen und ein Leben lang nicht mit dem Lernen aufzuhören. Die Studierenden verabschieden Olemotz mit einem langanhaltenden Applaus.