Spitzenmanager Olaf Koch an der DHBW Heilbronn: „Europa hat das Potenzial, weltweit die Führung in der Food-Innovation zu übernehmen“

Beim Students´ Executive Talk an der DHBW Heilbronn am 28. Oktober 2026 war der deutsche Spitzenmanager und Food-Angel Olaf Koch zu Gast. In der Aula am Bildungscampus sprach er vor den Studierenden der DHBW Heilbronn über die massiven Veränderungen und die Transition, vor der die Lebensmittelbranche steht. Olaf Koch weiß, wovon er spricht: über 12 Jahre hat er als Vorstand die Metro AG durch dunkle Zeiten geführt und den Konzern durch radikale Änderungen profitabel gemacht. Heute ist die Metro eins der erfolgreichsten internationalen Unternehmen in der Food-Branche. Ob als Führungskraft von 20 000 Mitarbeiter*innen oder als Business-Angel für vier Firmen, für Koch steht der Mensch und das Team im Mittelpunkt.

Wenn die Studierenden der DHBW Heilbronn zum Students´ Executive Talk gehen, erwarten sie eine Vorlesung der besonderen Art:  Ob Reinhold Würth, Uschi Glas, Norbert Haug, Fred Schulze, Herta Däubler-Gmelin, Christian Lindner oder jetzt Dr. Walter Döring – die Liste der prominenten Namen ist mittlerweile ziemlich lang geworden. Am Mittwoch begrüßte Prof. Dr. Stephan Rüschen seinen ehemaligen Vorstand bei der Metro AG, Olaf Koch, zum Students‘ Executive Talk für die Erstsemester des A-Zyklus in der Aula am Bildungscampus. 

Mit dem DHBW-Studium ganz an die Spitze
Was viele nicht wissen: Olaf Koch ist Absolvent der DHBW Stuttgart, damals noch der Berufsakademie Stuttgart. Begonnen hat er seine Karriere mit einem dualen Studium, ein Studium, das sein erstes und letztes geblieben ist. „Ich hatte alles, was ich brauchte“, blickt er zurück. Nur kurz streift er seine vielen Stationen, die Mercedes Benz AG, bei der er heute noch im Aufsichtstat sitzt, die Metro, die er durch eine harte Zeit des Umbruchs geführt hat, aber dann kommt er schnell auf das, was ihm am Herzen liegt: Zintinus. Zintinus bedeutet nachhaltig auf lateinisch, und nicht weniger als das ist es, was er mit seiner Firma vorhat: ein nachhaltiges Wirken in der Nahrungsmittelbranche. 

Der besondere Food-Angel
Zintinus mit Firmensitzen in Berlin und dem US-Food Mekka Boulder/Colorado hat einen Fond von 135 Millionen aufgesetzt. Mittlerweile erreichen sie täglich 4-5 Anfragen über die Webseite, alle werden gründlich geprüft auf Reifegrad, die Hypothese, die Nachhaltigkeit der Idee und die Skalierbarkeit. Ein Punkt ist für Koch entscheidend: das Team. Ohne ein funktionierendes Team, selbst mit einem guten Produkt, investiert er nicht. Die Zahl der Firmen, die sie fördern, ist klein, sie setzen auf eine intensive Zusammenarbeit. Olaf Koch selbst betreut momentan vier Kunden, mit denen er 3-4mal in der Woche zusammensitzt. Das ist vor allem am Anfang sehr wichtig: Viele Startups unterschätzen die Komplexität und Widerstände in der Branche. 

Umbrüche als Triebfeder für die Wirtschaft
Die Nahrungsmittelbranche steht vor massiven Herausforderungen: die Weltbevölkerung wächst bald auf 9 Milliarden Menschen, Ernten fallen aufgrund des Klimawandels aus, die Rohstoffpreise steigen – so wie auch der Hunger und Mangelernährung. Die Pandemie hat erste Lücken in die Regale der Händler gerissen, aber Koch geht in seiner Voraussage noch weiter: auch in Europa wird das Thema Versorgungssicherheit der Bevölkerung bald eine große Rolle spielen. 

Neues Bewusstsein der Konsumenten als Hoffnungsträger 
Auf der anderen Seite gibt es Hoffnung: Die neue Generation Z konsumiert bewusster. Tofu und pflanzenbasierte Milch sind zur Normalität im Supermarkt geworden. Und dieses Bewusstsein treibt Innovationen. Und zwar unter drei Voraussetzungen: Stimmt der Geschmack? Kann man es gut verarbeiten? Und ist es clean? Olaf Koch hat drei Beispiele mitgebracht, die für diese Veränderung stehen: Firmen, die wirtschaftlich erfolgreich sind mit Innovationen, die nachhaltig Probleme lösen. Die Firma „La Vie“ aus Paris ist die am schnellsten wachsende Firma im Ernährungssektor und hat eine klare Mission: Wir retten Schweine. Auch das Schweizer Unternehmen planted hat viel Zeit und Recherche in ihre Produkte investiert und u.a. mit Chefköchen wie Tim Raue und der ETH Zürich zusammengearbeitet. Dabei hat sie mit bekannten Techniken und neuen Zutaten innovative Rezepte entwickelt und bietet die Produkte mittlerweile deutschlandweit an. Seit Tipp: Das Chicken-Steak. 

Volatile Ernten und neue Alternativen für die Versorgungssicherheit
Choviva von Planet@ ist ein Produkt, das sich oft noch unbemerkt in den Zutatenlisten vieler namhafter Hersteller und Händler findet: ein Kakao-Ersatz-Pulver aus Sonnenblumenkernen, das Kakao im Geschmack sehr nah kommt. Dabei durchlaufen die Kerne Fermentation und Röstung – wodurch ein schokoladenähnlicher Geschmack entsteht. Choviva ist eine Innovation, die vor allem finanziell Sinn macht: Als 2024 die Kakaoernte eingebrochen ist, kostete die Tonne Kakao 10.000 Dollar. Mit Choviva sparen Hersteller von Schoko-Produkten 40 Prozent der Kosten. 

Diese drei Beispiele sind symptomatisch für das, was noch kommt: Olivenöl, Zucker und Kaffee sind volatile Produkte. In Frankreich ist in diesem Jahr die Maisernte um 50 Prozent eingebrochen. Schon jetzt wird die Hälfte der bewohnbaren Fläche der Erde für die Nahrungsherstellung genutzt, davon 75 Prozent für die Tierhaltung und den Futteranbau. Aber die Weltbevölkerung wächst und mit ihr die Herausforderung, die Versorgung von mehr als 9 Milliarden Menschen sicherzustellen. Viele Staaten werden in der Zukunft nicht mehr in der Lage sein, sich wie bisher selbst zu versorgen. Daher steigt der Ruf nach einer grundlegenden Transition der Branche – auf einem industriellen Niveau. 

Europa in der Führungsrolle bei Food-Innovationen
Und mit diesem Druck steigen auch die Chancen: Die Branche hat jetzt schon einen Umsatz von 9,7 Billionen Dollar weltweit und wächst jährlich um 6 Prozent.  Europa ist im Ernährungssektor weltweit eine der führenden Kontinente. Mittlerweile kommt im Lebensmittelsektor mehr Innovation aus europäischen Ländern als aus den USA. Koch sieht hier eine reale Chance, in diesem Bereich weltweit die Führung zu übernehmen. Für die Studierenden hat er daher einen Rat: Sich nicht von dem derzeitigen medialen Bild entmutigen zu lassen und diese Chancen ergreifen.