Prof. Dr. Sylvia Gnad startet an der DHBW Heilbronn: „Gute Lehre verbindet wissenschaftliche Theorie mit Praxisnähe.“

Prof. Dr. Sylvia Gnad ist neue Professorin an der DHBW Heilbronn und bringt ein vielseitiges Profil mit: langjährige Führungserfahrung im Tourismus- und Destinationsmanagement sowie 15 Jahre Erfahrung in der Lehre in den Bereichen Nachhaltigkeit, Standortentwicklung und Marketing. Im Interview spricht die Diplom-Ökonomin über ihren Wechsel nach Heilbronn, gute Lehre, das duale Studienmodell und darüber, welche Kompetenzen Studierende heute besonders brauchen.

Frau Professorin Gnad, herzlich willkommen an der DHBW Heilbronn. Wie sind Ihre ersten Wochen verlaufen?

Vielen Dank! Meine ersten Wochen an der DHBW Heilbronn waren sehr gut. Besonders gefreut habe ich mich über die herzliche und kollegiale Aufnahme durch das Rektorat und mein neues Kollegium.

Erzählen Sie kurz etwas über sich.
Ich bin seit 15 Jahren als Professorin tätig. Mein Wechsel an die DHBW Heilbronn von der DHBW Lörrach hatte familiäre Gründe. Vorher war ich 12 Jahre Kurdirektorin in Scheidegg. Diese Zeit hat meinen Blick auf Wirtschaft und Management sehr geprägt. Es ging nicht nur darum, ein einzelnes Unternehmen weiterzuentwickeln, sondern regionale Wertschöpfung zu schaffen, von der möglichst alle Stakeholder profitieren. Im Grunde genommen war es Wirtschaftsförderung.

Als Kurdirektorin war ich oft Moderatorin, Koordinatorin und Impulsgeberin. Dafür braucht man interkulturelle Kompetenz, Kommunikationsstärke und ein gutes Verständnis für die Interessen der verschiedenen Beteiligten. Ein Beispiel ist der Bayerische Innovationspreis für das glutenfreie Angebot, den der Standort Scheidegg erhalten hat. Daran waren Initiator*innen, Vermieter*innen, Bäckereien, Restaurants und viele weitere Akteur*innen beteiligt. Solche Erfolge entstehen nur, wenn viele gemeinsam an einem Thema arbeiten.

Gab es in dieser Zeit Erfahrungen im Innovationsmanagement, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind? 
Ja, auf jeden Fall. Scheidegg war beispielsweise eine der ersten touristischen Kommunen im Allgäu, in der man online Zimmer buchen konnte. Das war damals ein wichtiger Innovationsschritt. Heute würde ich noch stärker darauf schauen, wie sich Prozesse etwa durch KI verbessern lassen. Ergänzend habe ich berufsbegleitend während meiner Tätigkeit als Kurdirektorin promoviert.

Sie haben den Schritt von einer verantwortungsvollen Führungsposition in die Hochschule bewusst gewählt. Was hat Sie damals motiviert, in die Lehre zu wechseln?
Ich hatte schon vor meiner Professur viel Freude daran, junge Menschen bei ihrer Ausbildung zu begleiten. Als Kurdirektorin habe ich Praktikant*innen, Auszubildende und Studierende betreut, außerdem war ich als Prüferin bei der IHK in Bayern tätig. Daraus ist meine Überzeugung gewachsen, dass praxisbezogene Lehre einen großen Wert hat. An der DHBW bin ich zunächst über einen Lehrauftrag eingestiegen. 2011 habe ich an der DHBW Lörrach dann meine Professur angetreten.

Welche Erfahrungen aus der Praxis möchten Sie besonders an Ihre Studierenden weitergeben?
Mir ist wichtig, dass Studierende wirtschaftliche Entscheidungen umfassend und nachhaltig betrachten. Unternehmen agieren nie isoliert, sondern immer in komplexen Ökosystemen. Ob ich Destinationsmanagement betreibe oder eine neue Filiale eröffne – die grundlegenden Fragen ähneln sich.

Die DHBW steht für die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Was macht dieses Studienmodell aus Ihrer Sicht so besonders?
Das duale Studium vereint das Beste aus beiden Welten. In der Theorie können wir Praxiswissen einbringen und daraus neue Impulse entwickeln. In der Praxis wiederum können theoretische Modelle getestet, überprüft und angewendet werden. Genau diese Verbindung macht das Studienmodell so stark.

Wie sieht praxisnahe und gute Lehre bei Ihnen konkret aus?
Praxisnahe und gute Lehre lebt von Vielfalt. Ich arbeite gerne mit aktuellen Beispielen, Exkursionen oder interaktiven Formaten wie einem World Café. Mir ist wichtig, dass Studierende lernen, Wissen anzuwenden und auf neue Situationen zu übertragen.

Wissen soll nicht nur reproduziert werden, Studierende sollen Inhalte verstehen, einordnen, kritisch reflektieren und in neuen Situationen verantwortungsvoll einsetzen können. Das gilt auch für die Verwendung von KI. An der DHBW können wir dafür eine wichtige Basis legen.

Was begeistert Sie besonders an Ihrer Arbeit mit Studierenden?
Es ist immer wieder faszinierend, wie sich Studierende entwickeln. Wenn ich nach drei Jahren sehe, dass Absolvent*innen in verantwortungsvolle Tätigkeiten starten oder ein Masterstudium aufnehmen, macht mich das schon ein wenig stolz. Aus den vergangenen 15 Jahren kenne ich viele Alumni, die ganz unterschiedliche Wege gegangen sind. Mit einigen bin ich bis heute in Kontakt. Manche sind inzwischen selbst als Dozent*innen tätig oder wirken bei der Betreuung von Arbeiten und mündlichen Prüfungen mit.

Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Ich zum Studienstart geben?
Ich würde sagen: Nutze das duale Studium als Chance, denn es verbindet Theorie und Praxis auf besondere Weise. Übernimm Verantwortung, diskutiere unterschiedliche Perspektiven und nutze die Möglichkeit, mit Lehrenden, Mitstudierenden und Dualen Partnern gemeinsam zu lernen. Dadurch entsteht bereits früh ein Netzwerk.

Welche Eigenschaften sollten Studierende unbedingt mitbringen?
Wichtig sind Eigenverantwortung, Verlässlichkeit und Kommunikationsfähigkeit. Dazu kommen Neugier und der Antrieb, sich weiterzuentwickeln – zum Beispiel durch Auslandserfahrungen oder den Austausch mit internationalen Studierenden, die an die DHBW kommen. Wer offen bleibt und bereit ist, dazuzulernen, bringt sehr gute Voraussetzungen mit.

Mit welchen drei Eigenschaften würden Sie Ihren Lehrstil beschreiben?
Praxisnah, theoriefundiert – aber hoffentlich nie langweilig.