Lebensmittelreste verwerten statt wegwerfen: Kochevent an der DHBW Heilbronn

Schnippeln, braten, kochen: Aus Lebensmitteln, die im Handel oder zu Hause häufig vorschnell aussortiert werden, lässt sich oft noch etwas Leckeres zaubern. Zum Auftakt der Aktionswoche „Lebensmittelretter – neue Helden braucht das Land“ kochten Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule Ilsfeld aus geretteten Lebensmitteln im Food-Labor der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn leckere Gerichte. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bildung, Handel, Politik und Gesellschaft machte das Kochevent deutlich: Lebensmittelwertschätzung beginnt im Alltag.

Mehr Alltagskompetenzen für Schüler*innen

Eingeladen hatten das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg (MLR), Pro Region Heilbronn-Franken, die DHBW Heilbronn, Edeka Ueltzhöfer, Edeka Südwest sowie der Handelsverband Baden-Württemberg. Verarbeitet wurden gespendete Lebensmittel von Edeka Ueltzhöfer: Obst und Gemüse, das optisch nicht mehr perfekt aussieht, aber einwandfrei genießbar ist, sowie Produkte mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum.

„Unser klares Ziel ist es, Verbraucherinnen und Verbraucher für mehr Lebensmittelwertschätzung zu sensibilisieren und durch konkrete Alltagstipps aufzuzeigen, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Lebensmitteln gelingen kann“, sagte Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin a. D. und Vorsitzende von Pro Region Heilbronn-Franken. „Es fehlt vor allem an Alltagskompetenzen. Deshalb ist es so wichtig, jungen Menschen ganz praktisch zu zeigen, wie man mit Lebensmitteln richtig umgeht.“

DHBW Heilbronn seit 2017 engagiert

Die Aktionswoche ist Teil der Kampagne „Lebensmittelretter – neue Helden braucht das Land“ des MLR sowie weiterer Partner. Sie findet in diesem Jahr vom 29. September bis 6. Oktober parallel zur bundesweiten Aktionswoche „Zu gut für die Tonne“ statt. Die DHBW Heilbronn beteiligt sich seit 2017 an der Lebensmittelretterwoche in Baden-Württemberg. Die Studiengänge BWL-Handelsmanagement und BWL-Food Management engagieren sich seither regelmäßig in Projekten und Aktionen rund um Lebensmittelwertschätzung, nachhaltige Handelsprozesse und die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung.

„Die Lebensmittelretterwoche verbindet gesellschaftliche Verantwortung mit praxisnaher Lehre“, betonte Prof. Dr. Beate Scheubrein, Studiengangsdekanin BWL-Handelsmanagement an der DHBW Heilbronn. „Wir sehen, dass auch junge Erwachsene, die bei uns studieren, im Alltag noch zu viele Lebensmittel wegwerfen. Das Thema Ernährung und Lebensmittelwertschätzung kommt an Gymnasien häufig zu kurz. Die Kompetenz fehlt oft: Wie plane ich? Wie kaufe ich ein? Wie lagere ich Lebensmittel richtig? Und wie verwerte ich Reste?“

Private Haushalte als wichtiger Hebel

Zugleich verwies Scheubrein auf die Rolle der privaten Haushalte: „Die Endverbraucherinnen und Endverbraucher sind prozentual die größten Verschwender. Sie haben einen Anteil von 58 Prozent an den weggeworfenen Lebensmitteln. Der Handel ist lediglich für sieben Prozent verantwortlich.“ Umso wichtiger seien Bildungsangebote, die früh ansetzen und Wissen praktisch erfahrbar machen.

Für die Steinbeis Gemeinschaftsschule Ilsfeld ist Nachhaltigkeit fest im Schulalltag verankert. „Wir haben ab Klasse 1 Nachhaltigkeit als Ziel“, sagte Rektorin Tanja Bewersdorff. Das Thema werde in verschiedenen Bereichen umgesetzt – etwa durch Gemüsebeete überall „wo Platz ist“ oder durch den Ernährungsführerschein, den jede Schülerin und jeder Schüler absolviert. „Es geht um Zukunftskompetenzen: Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler fit machen für die Welt von morgen.“

Ernährungsbildung als Gemeinschaftsaufgabe

Das MLR unterstützt Schulen und pädagogische Einrichtungen dabei, Ernährung, Lebensmittelwertschätzung und nachhaltigen Konsum stärker im Bildungsalltag zu verankern. Dazu stellt das Ministerium Materialien und Angebote zur Verfügung, die Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte unter anderem beim Thema Ernährungsbildung einsetzen können. Vor Ort vertreten war Inge Eversberg, stellvertretende Abteilungsleiterin, Abteilung 6 Markt und Ernährung vom MLR.

Prof. Dr. Maren Jakob, Studiengangsleiterin BWL-Food Management an der DHBW Heilbronn, begleitete die Aktion ebenfalls: „Niemand möchte Lebensmittel verschwenden – und trotzdem passiert es jeden Tag. Lebensmittelverschwendung ist nicht nur eine Frage des Wissens oder der Motivation, sondern auch der Rahmenbedingungen, unter denen im Alltag Entscheidungen getroffen werden müssen. Umso wichtiger ist es, Ernährungsbildung stärker und verbindlicher zu verankern, damit junge Menschen überhaupt die Kompetenzen entwickeln können, Lebensmittel im Alltag bewusst zu planen, einzukaufen, zu lagern und zu verwerten.“

Im Mittelpunkt standen neben dem gemeinsamen Kochen konkrete Alltagstipps: Wie lassen sich Lebensmittel richtig lagern? Was bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum tatsächlich? Und wie kann gute Planung helfen, Abfälle zu vermeiden?

Maßnahmen im Lebensmittelhandel

Steffen Ueltzhöfer, Geschäftsführer von Edeka Ueltzhöfer, und Michaela Meyer, Geschäftsbereichsleiterin Nachhaltigkeit bei Edeka Südwest, stellten Maßnahmen aus dem Lebensmittelhandel vor – darunter die Lebensmittelrettertüte, mit der optisch nicht mehr perfektes Obst und Gemüse oder Backwaren vergünstigt angeboten werden. Ueltzhöfer sieht aber auch politischen Handlungsbedarf: „Beim Mindesthaltbarkeitsdatum braucht es klare und praxistaugliche Regelungen. Noch genießbare Lebensmittel sollten nicht unnötig im Müll landen, nur weil Händlerinnen und Händler haftungsrechtliche Risiken befürchten müssen.“

Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, und Sascha Jost, Geschäftsführer des Handelsverbands Baden-Württemberg, verwiesen auf die Fortschritte im Handel: Zwar stehe immer wieder der Vorwurf im Raum, der Handel werfe zu viele Lebensmittel weg. Tatsächlich seien die Prozesse inzwischen jedoch so stark verbessert worden, dass selbst die Tafeln teilweise weniger Ware erhielten, weil kaum noch Lebensmittel übrigblieben.

Die Aktion an der DHBW Heilbronn machte deutlich: Lebensmittelwertschätzung beginnt mit Wissen, praktischen Alltagskompetenzen und einem bewussten Blick auf das, was oft vorschnell aussortiert wird. Ob Schule, Hochschule, Handel oder Politik – alle Beteiligten zeigten, dass Lebensmittelrettung eine gemeinsame Aufgabe ist.