Eine Branche mit Zukunft: Prof. Dr. Arnold übernimmt eine neue Professur im kooperativen Studienangebot Sozialmanagement/Digitalisierung und KI

Künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel, Kostendruck, neue Dokumentationspflichten: Die Sozialwirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Genau an dieser Schnittstelle setzt der kooperative Studiengang Soziale Arbeit – Sozialmanagement – Digitalisierung und KI der DHBW Heilbronn und DHBW Heidenheim an. Einer der Professoren ist Dr. Steffen R. Arnold, der auch in seiner Vita mehrere Welten miteinander verbindet: Forschung im Controlling, Dissertation im Gesundheitsmanagement, die Leitung der Unternehmensentwicklung bei der Johannes-Diakonie Mosbach und Dekan der Fakultät Sozialwesen an der DHBW Villingen-Schwenningen. Privat lebt Arnold, Vater von drei Kindern, in der Nähe von Tauberbischofsheim.

1. Herzlich willkommen in Heilbronn, Prof. Dr. Arnold. Was hat Sie an der Professur im neuen Studiengang besonders gereizt? 

Prof. Dr. Steffen R. Arnold:
Künstliche Intelligenz ist kein Zukunftsthema – sie verändert unsere Gesellschaft schon jetzt. Und zwar radikal, rigoros und rasant. In der Sozialwirtschaft stecken die Digitalisierung und der Einsatz von KI allerdings noch in den Kinderschuhen. Gleichzeitig sind die Anforderungen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen: Der Kostendruck hat sich verschärft, die Bevölkerung altert, und gesetzliche Vorgaben verlangen transparente und detaillierte Dokumentationen.

Digitalisierte Prozesse und Künstliche Intelligenz können dabei helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Für den neuen Studiengang an der DHBW Heilbronn bedeutet das: Wir können hier Pionierarbeit leisten, neue Forschungsthemen anstoßen und junge Menschen für ein Aufgabengebiet begeistern, das in Zukunft enorm wichtig sein wird.

2. Worauf freuen Sie sich am meisten? 

Prof. Dr. Steffen R. Arnold: 
An der DHBW Villingen-Schwenningen konnte ich als Dekan und Prorektor die Entwicklung der Fakultät Sozialwesen über mehrere Jahre hinweg begleiten – von der Modernisierung der Fakultät über die Besetzung neuer Professuren bis hin zur Reakkreditierung. In dieser Zeit habe ich sehr viel Erfahrung im Hochschulmanagement gesammelt.

Jetzt freue ich mich darauf, an der DHBW Heilbronn wieder stärker zu lehren und direkt mit jungen Menschen zu arbeiten: mit Studierenden neue Ideen zu entwickeln, sie gemeinsam zu diskutieren und in der Praxis zu erproben. Genau diese Verbindung aus Lehre, Innovation und Anwendung macht für mich den besonderen Reiz aus.

3. Warum braucht die Sozialwirtschaft die Kombination aus Digitalisierung und Management? 

Prof. Dr. Steffen R. Arnold: 
Gerade in der Sozialwirtschaft ist die Implementierung von Künstlicher Intelligenz besonders anspruchsvoll. Wir arbeiten in einer Branche, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt – sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die Klientinnen und Klienten. Für das Management sozialer Einrichtungen bedeutet das: Alle Gruppen müssen in Veränderungsprozessen mitgenommen werden.

Hinzu kommt eine weitere Herausforderung: In digitalen Prozessen werden vertrauliche Daten verarbeitet. Nicht jede KI-Lösung eignet sich deshalb für die Sozialwirtschaft. Die eingesetzten Systeme müssen den strengen Schutz hochsensibler Daten garantieren, unabhängige Serverlösungen bieten und auch die Voreingenommenheit von Algorithmen – den sogenannten Bias – in der Lösung berücksichtigen.

4. Welche Kompetenzen müssen zukünftige Führungskräfte mitbringen?

Prof. Dr. Steffen R. Arnold: 
Wir haben gerade über die Veränderungen gesprochen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Führungskräfte brauchen deshalb – neben fachlichem, digitalem und prozessbezogenem Know-how – vor allem die Fähigkeit zu kommunizieren und anzuleiten.

Eine soziale Einrichtung zu führen bedeutet meiner Erfahrung nach in erster Linie, Coach und Vermittler zu sein und mehrere Realitäten zusammenzuführen. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch Klientinnen und Klienten, haben Sorge, dass Technik den Menschen ersetzt. Führungskräfte sollten diese Ängste verstehen und vermitteln können, dass Künstliche Intelligenz dem Menschen dient – und nicht umgekehrt.

5. Wo sehen Sie Grenzen, und welche ethischen Fragen müssen wir im Blick behalten? 

Prof. Dr. Steffen Arnold: 
Nehmen wir folgendes Beispiel: Wenn eine KI aus wirtschaftlichen Gründen empfiehlt, einer Klientin eine Magensonde einzusetzen, die Freude am Essen aber ihre Lebensqualität erhöht – wie soll dann moralisch entschieden werden?

So hoch entwickelt Künstliche Intelligenz auch sein mag: Die ethische Auseinandersetzung mit solchen Fragen und die Verantwortung für Entscheidungen kann sie nicht ersetzen. Was sie aber kann: entlasten. Und genau dadurch kann wieder mehr Zeit für den Menschen entstehen.

6. Wie prägt die Kombination aus Forschung und Praxis Ihre Lehre?

Prof. Dr. Steffen R. Arnold: 
Wissenschaft und Praxis sind an der DHBW enger verzahnt als an vielen anderen Hochschulen. Unsere Studierenden gewinnen wissenschaftliche Erkenntnisse direkt durch die Anwendung in der Praxis. Neue Ideen können gemeinsam mit sozialen Einrichtungen ausprobiert, getestet und geprüft werden.

So lernen die Studierenden, digitale Veränderungsprozesse professionell zu begleiten. Bisher habe ich vor allem im strategischen Management und im Controlling geforscht. Jetzt kann ich mir sehr gut vorstellen, an der DHBW Heilbronn Forschungsprojekte zur digitalen Transformation gemeinsam mit anderen Studiengängen und Bildungspartnern auf dem Dieter-Schwarz-Campus anzustoßen.

7. Welchen Rat geben Sie Studierenden oder Studieninteressierten? 

Prof. Dr. Steffen Arnold: 
Seien Sie offen für die Veränderungen, die die Sozialwirtschaft braucht. Und vor allem: Bleiben Sie neugierig. Lernen ist heute ein lebenslanger Prozess.

Wer sich für die Sozialwirtschaft entscheidet, wählt nicht nur eine sinnstiftende Tätigkeit, sondern auch ein Berufsfeld mit enormen Karrierechancen. Im Jahr 2040 wird die Sozial- und Gesundheitswirtschaft der größte Sektor der Wirtschaft sein. Mit anderen Worten: Schätzungsweise jeder Zwanzigste wird in dieser Branche arbeiten.

8. Wie wird sich das Sozialmanagement in den nächsten Jahren verändern? 

Prof. Dr. Steffen Arnold: 
Aktuell steckt die digitale Transformation in der Sozialwirtschaft noch in den Anfängen. In den nächsten Jahren wird – und muss – sich hier eine starke Dynamik entwickeln. Die sozialen Einrichtungen müssen hier deutlich aufholen.

Schon jetzt sind verschiedene Anwendungen im Einsatz: Übersetzungstools in der Flüchtlingshilfe oder digitale Unterstützung bei der Erstellung von Dokumentationen und Dienstplänen. Die Transformation benötigt in der Sozialwirtschaft vielleicht etwas länger als in anderen Branchen, weil jeder Einsatz digitaler Tools gründlich geprüft werden muss. Sozial denken und wirtschaftlich arbeiten – diese Kombination ist besonders anspruchsvoll.

9. Was wünschen Sie sich für den Studiengang in den kommenden Jahren? 

Prof. Dr. Steffen Arnold:
Zunächst einmal wünsche ich mir einen schnellen und erfolgreichen Start im Herbst an der DHBW Heilbronn. Danach natürlich eine nachhaltige Etablierung des Studiengangs – und eine profunde Unterstützung für die regionalen Verbände und Einrichtungen. Wir wollen einen Ort schaffen, an dem die Symbiose von Innovation und sozialer Verantwortung selbstverständlich wird.

10. Was begeistert Sie persönlich an der Sozialwirtschaft? 

Prof. Dr. Steffen Arnold:
Ich habe das Glück, in einer Branche zu arbeiten, die Wirtschaft mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet. Durch meine Arbeit im Verwaltungsrat der Johannes-Diakonie Mosbach und durch meine Lehre kann ich dazu beitragen, Teilhabe und Lebenschancen von Menschen zu erhöhen.

Das macht nicht nur Spaß, sondern gibt meiner Arbeit Sinn.