Die 22. Frauenwirtschaftstage in Heilbronn: Zwischen allem entsteht Zukunft
Die Frauenwirtschaftstage in Heilbronn sind auch 2026 wieder ein Teamerfolg von acht Partnerinnen der Region Heilbronn-Franken. Unter dem Motto „Zwischen allem entsteht Zukunft“ konnten sich 120 Besucherinnen in fünf verschiedenen Workshops weiterbilden. Warum die Sichtweise der Frauen im Coding und der KI-Nutzung fehlt und wie Frauen den Gender AI Gap verkleinern können, war das Thema der Keynote von Dr. Paula González Ava-los, Head of AI Academy am ai applied institute Europe GmbH.
Leider brauchen wir auch im Jahr 2026 voraussichtlich noch 120 Jahre, bis wir die Gleichstellung der Geschlechter in allen gesellschaftlichen Bereichen erlangt haben. Weltweit liegt Deutschland beim Thema wirtschaftliche Gleichstellung laut World Economic Forum lediglich auf Platz 80. „Darum gibt es den Frauenwirtschaftstag: eine Plattform, um Frauen aus der Region Heilbronn-Franken zu informieren, ihnen Impulse zu geben und sie zu stärken, ihre Kompetenzen in die Gestaltung der Gesellschaft einzubringen“, sagte Prof. Dr. Yvonne Zajontz, Gleichstellungsbeauftragte der DHBW Heilbronn und Studiengangsleiterin im Studiengang BWL-Dienstleistungsmanagement/Media, Vertrieb und Kommunikation, zur Begrüßung. Auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz und Digitalisierung liegen erste Statistiken vor: Schon jetzt bestehen Unterschiede in der Nutzung von KI: Nur 37 Prozent der befragten Frauen nutzen KI im Berufsalltag, bei Männern sind es bereits 53 Prozent (Studie zum Gender AI Gap der Initiative D21 und des IAB). Dieser Unterschied kann schon jetzt eine weitreichende Wirkung haben: Frauen haben weniger Zugang zu technologischen Schlüsselressourcen. Dadurch verringern sich ihre Teilhabe und ihre Karrierechancen.
Mehr Frauen fit für KI machen
Die Keynote-Speakerin Dr. Paula González Avalos weiß, wie es sich anfühlt, die einzige Frau im Entwicklerteam oder bei einer IT-Konferenz zu sein. Und macht damit klar, dass die weibliche Perspektive nicht erst bei der Nutzung von KI entscheidet. Die ghanaisch-kanadische Forscherin Joy Buolamwini Ph.D. hat bei ihrer Forschung zur Bilderkennung bemerkt, dass der Algorhythmus sie nicht erkannte: das System wurde schlichtweg nicht mit Daten von schwarzen Frauen angelernt. Das ist ein Beispiel von vielen, warum die KI nicht immer die Realität abbildet, sondern eine mit verzerrten Daten tranierte Welt. Nicht nur bei der Datengrundlage, sondern auch bei der Zielsetzung von KI-Modellen spielt die weibliche Perspektive eine Rolle: welche Probleme löst die KI? Spielen Lösungen in der Frauenheilkunde oder bei häuslicher Gewalt eine Rolle? Und letztendlich auch die Frage: Wer spricht darüber? Bei der letzten Tech-Konferenz in Heilbronn waren 71, 8 Prozent der Speaker Männer.
Fünf Workshops – fünf Themen
Wer nach der Keynote seine KI-Kompetenzen im Berufsalltag erweitern wollte, ging in den Workshop von Dr. Paula González Avalos und blickte noch tiefer in die Zukunft und die Mechanismen hinter KI. Oder die Teilnehmerinnen lernten im Workshop von Cornelia Hildebrandt, warum die Erfolge von Frauen oft unsichtbar bleiben, wie man innere Barrieren überwindet und seine Leistungen zielgerichtet kommuniziert. Die Teilnehmerinnen des Workshops von Mediatorin Isabelle Terrier erhielten praktische Tipps zur Achtsamkeit im Alltag und machten erste Gehversuche in der Meditation. Andere lernten im Workshop mit Berater und Rhetor Bernd Rex, wie das nächste Nein gelingen kann und welche verschiedenen Schichten einer Kommunikation zugrunde liegen. Im Workshop „Souverän bleiben, Grenzen setzen, Stärke zeigen“ von Daniela Stotz, Coachin und Talentsucherin, konnten die Frauen lernen, auf verbale Angriffe zu reagieren.
Rundum wohlfühlen
In der Mittagspause gab es ein reiches Spezialitäten-Buffet des Türkischen Frauenvereins. Was das Programm der Frauenwirtschaftstage von anderen Angeboten unterscheidet, ist das praktische Angebot für Frauen mit Kindern: Mütter konnten ihre Kinder im eigens eingerichteten Kinderzimmer von einer Fachkraft betreuen lassen und sich parallel weiterbilden.
Unter den Teilnehmerinnen waren Berufseinsteigerinnen und Studentinnen, genauso wie Frauen, die Kinder und Berufsalltag balancieren, aber auch erfahrene Führungskräfte. „Dass die Frauenwirtschaftstage immer sehr schnell ausgebucht sind, zeigt, dass wir mit dem Seminartag in den Räumen der DHBW Heilbronn ein bedarfsgerechtes Bildungsangebot für Frauen geschaffen haben und einen attraktiven Rahmen zur Vernetzung zur Verfügung stellen“, kommentierte Silvia Payer, Frauenbeauftragte der Stadt Heilbronn. Gemeinsam mit der DHBW Heilbronn wird die Stadt Ende des Jahres wieder den Gender Report der Stadt Heilbronn vorstellen.
Teamleistung von acht Partnerinnen
Die jährlichen Frauenwirtschaftstage sind eine Teamleistung der folgenden Partnerinnen: Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken, Hochschule Heilbronn, ai applied Europe GmbH, der Frauenbeauftragten der Stadt Heilbronn, dem Haus der Familie, Bundesagentur für Arbeit, Landratsamt Heilbronn und DHBW Heilbronn.









