Bienenstöcke auf dem Dach der DHBW: Für Artenvielfalt in der Stadt

Am 23. März 2022 halten acht Bienenstöcke des Bio-Imkers Hans Rosen Einzug auf dem Dach der DHBW Heilbronn. Ab dann übernehmen die Stu-dierenden des DHBW-eigenen Büros für Nachhaltigkeit, des Green Office, die Vermarktung des DHBW-Honigs unter der Marke „Culinary HNY“. Das Projekt ist gleichzeitig in den Vorlesungsplan der Studierenden eingebun-den und lehrt auf praktische Weise aktuelle Themen wie Unternehmertum, Zertifizierung nachhaltiger Produkte und Marken-Aufbau.

„Wir möchten durch unser Projekt darauf aufmerksam machen, dass es auch in Städten mehr Biodiversität braucht und dass Pflanze nicht gleich Pflanze ist. Prinzipiell hat jeder in seinem Garten oder auf dem Balkon die Möglichkeit, geeignete Pflanzen für Insekten zu aufzustellen“, erläutert die Studiengangsleiterin des Studiengangs BWL-Food Management und Nachhaltigkeits-Expertin Prof. Dr. Carolyn Hutter die Beweggründe, neue Bewohner auf dem Bildungscampus anzusiedeln.

Ein neuer Platz für ungefähr 400.000 Arbeitsbienen, ihre Königinnen und einige hundert Drohnen: Acht Bienenvölker von <link www.imkerei-rosen.de - external-link-new-window "Opens internal link in current window">Hans Rosen, Bioland-Imker</link> aus Heilbronn, ziehen heute auf das Dach der Hochschule.  „Es ist schön, gerade die junge Generation für das Imkern zu begeistern. Imker werden immer wichtiger, sie merken mit ihren Bienen als Erste, wenn sich die Umwelt verändert“, freut sich Hans Rosen über das Engagement der Studierenden an der DHBW Heilbronn.

Imkern mit Tierwohlkontrolle und in Biolandqualität
Hans Rosen ist einer von 330 Imkern im Stadt- und Landkreis Heilbronn. Seit 2013 wirtschaftet er nach strengen Bioland-Richtlinien. Rosen verzichtet zum Beispiel auf den Einsatz chemischer Mittel. Er setzt stattdessen auf die Zucht von Jungvölkern, um die Bienenvölker zu verjüngen und die Resistenzen zu erhöhen. Rosen erläutert, dass die Bewahrung der natürlichen Reinheit des Bienenwachses Grundlage der Bioland-Imkerei ist. Denn im Wachs reifen und lagern die Bienen den Honig und ziehen ihren Nachwuchs auf.

<link www.bioland.de/baden-wuerttemberg - external-link-new-window "Opens internal link in current window">Bioland Baden-Württemberg</link> Geschäftsführer Christoph Zimmer erklärt: „Bioland setzt sich für eine möglichst gute Lebensqualität aller Nutztiere ein – das gilt auch für die Kleinsten. So sichert Bioland mit der Tierwohlkontrolle die Tiergesundheit der Bienen.“ Und er ergänzt: „Nach Bioland-Richtlinien zu wirtschaften bedeutet, qualitativ hochwertige Lebensmittel zu produzieren. Ich freue mich, dass die Studierenden als wichtige Multiplikatoren in der Lebensmittelbranche durch ihr Engagement einen direkten Bezug zur Öko-Landwirtschaft bekommen und verstehen, wie Klima, gesunde Lebensmittel und Nachhaltigkeit zusammenhängen.“

Zertifizierung für eine neue Marke am Campus der Studienakademie
Wie die neue neue Marke „Culinary HNY“ als Bioland-Produkt zertifiziert wird, lernen die Green-Office-Initiatorinnen Lisa Knüppel und Clara Bobbert in der Food-Management Vorlesung „Nachhaltigkeit“.  Olaf Reichardt ist General Manager der<link www.kiwa.com/de/de/uber-kiwa/tochterfirmen/ansprechpartner-kiwa-bcs-oko-garantie-gmbh/ - external-link-new-window "Opens internal link in current window"> Kiwa BCS Öko-Garantie GmbH</link>. Sein Team führt die Studierenden durch den Prozess. „Es gibt strenge Vorschriften, die Bioland-Imker einhalten müssen. Unter anderem dürfen nur natürliche Materialien und Mittel für die Bienenwohnungen verwendet werden, Krankheiten werden ausschließlich mit organischen Säuren behandelt.“  Prof. Dr. Roland Hüttl, Executive Chairman<link www.kiwa.com/de/de/ - external-link-new-window "Opens internal link in current window"> Kiwa Germany,</link> der in 2018 die Duale Partnerschaft mit der DHBW Heilbronn ins Leben gerufen hat, ergänzt: „Als duales Partnerunternehmen schließt sich in diesem Projekt für uns ein Kreis, wenn wir die Studierenden der DHBW Heilbronn im Zertifizierungsprozess begleiten.“

Vorlesungen und Projekte greifen Hand in Hand
Bobbert und Knüppel sind gespannt auf die Entwicklung von Culinary HNY. “Wir freuen uns, dass wir als Studierende die Möglichkeit bekommen durch das Green Office nachhaltige Projekte anzustoßen, umzusetzen und damit den Campus grüner zu gestalten. Durch die Bienen auf den Dächern des Bildungscampus sensibilisieren wir für die regionale Erzeugung von Lebensmitteln.“

Prorektor Prof. Dr. Tomás Bayón ist begeistert von dem neuen Lehr-Projekt: „Unser duales Studium ist die ideale Verbindung von Theorie und Praxis. Das erfahren unsere Studierenden nicht nur durch den Wechsel von Hochschule und Betrieb. Das Bienen-Projekt zeigt, dass wir hochrelevante Themen wie Nachhaltigkeit schnell in den Lehrplan integrieren und in der Praxis umsetzen“. Im Projekt Culinary HNY arbeiten die Studierenden auf mehreren Ebenen: In einer ersten Vorlesung wurde das Thema Marktforschung behandelt, dann folgen Lehrveranstaltungen zur Bioland-Zertifizierung, Markenbildung und Vermarktung an den Handel. Gleichzeitig setzt das Green Office ein sichtbares Zeichen für Nachhaltigkeit und informiert die Öffentlichkeit über Biodiversität und ökologischen Landbau.


Exkurs Biodiversität und Bienen:
Durch die Landversiegelung und den Flächenverbrauch für Industrie, Landwirtschaft und Wohnraum gibt es in Deutschland mittlerweile nur noch zwei Prozent reine Wildnis. Mehr als die Hälfte aller Bienenarten gilt in Deutschland als bestandsgefährdet. Und doch sind Bienen unerlässlich, um das Überleben der Menschheit zu sichern. Bienen bestäuben 16 Prozent der verschiedenen Pflanzenspezies weltweit. 90 Prozent der Nahrungsmittelversorgung steht im Zusammenhang mit 82 pflanzlichen Rohstoffen, deren Fortbestand von der Bestäubung durch Bienen abhängt. Das Bestäuben durch Bienen und anderen bestäubenden Insekten führt zu Ertragssteigerungen bei etwa 33 Obstkulturen, darunter u.a. bei Äpfeln, Birnen und Erdbeeren. Bienen bestäuben allerdings auch Wald- und Zierpflanzen, kontrollieren damit Erosionen und sichern die Nahrungsquelle für Wildtiere.