Mann mit Kapuze vor Binärcode

Thementag Cybersecurity: Warum wir uns um unsere Datensicherheit Sorgen machen sollten

Thementag Cybersecurity: Warum wir uns um unsere Datensicherheit Sorgen machen sollten

12. April 2021

Die meisten Unternehmen haben schon Hackerangriffe erlebt. Welche wichtige Rolle Cybersecurity spielt, damit beschäftigte sich der erste Thementag Cybersecurity an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn. Hochrangige Vertreter des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg, des Innenministeriums und der EnBW Energie Baden-Württemberg AG sprachen über die Kriminalität im Netz und Strategien gegen Cyberangriffe. Der Thementag fand im Rahmen des neuen Studiengangs Wirtschaftsinformatik als Online-Veranstaltung statt.

Prof. Dr. Nicole Graf, Rektorin der DHBW Heilbronn, begrüßte die Teilnehmer*innen und weiß, dass Cybersecurity gerade einen Nerv trifft: „Im Rausch der pandemiebedingten Digitalisierung hat die Wirtschaft viele Risiken übersehen.“ Es sei wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und über Expert*innen in den Unternehmen zu verfügen, die sich damit gut auskennen. Genau dafür solle auch der neue Studiengang Wirtschaftsinformatik sorgen: „Ab Oktober 2021 können unsere Studierenden die Studienrichtung Software Engineering wählen mit noch umfangreicheren Inhalten zum Themenschwerpunkt Cybersicherheit und IT-Sicherheitsmanagement.“ Prof. Dr. Tobias Thomas leitet den Studiengang und ist Initiator des Thementags: „Die Cyberkriminalität wird professioneller und internationaler. Gleichzeitig werden wir mit zunehmender Digitalisierung anfälliger und verwundbarer. Die Frage nach der Datensicherheit wird damit zu einem entscheidenen Wettbewerbsfaktor für alle Unternehmen – und das unabhängig von der Branche“.

Cybercrime: Kriminelle nutzen gezielt Schwachstellen im System

Torsten Seeberg, Polizeioberkommissar des LKA, weiß aus eigener Erfahrung: „IT-Risiken sind Top-Bedrohungen für Unternemen“. Die Zahl der angezeigten Fälle ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Einfallstore für Kriminelle gebe es vielfältige: Über E-Mails, VPN-Zugänge, aber auch veraltete oder kompromittierte Software können Sicherheitslücken ausgenutzt und Daten geklaut und verschlüsselt werden. Die betroffenen Unternehmen werden anschließend erpresst: „Die Tätergruppen nutzen die Daten, um Geld für die Entschlüsselung oder die Nicht-Veröffentlichung zu verlangen“, weiß Seeberg. Wichtig sei daher, sein System bereits im Vorfeld möglichst umfassend zu schützen und auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.

Bessere Zusammenarbeit, Vernetzung und Prävention notwendig

Besonders wichtig zur Bekämpfung von Cyberkriminalität sind Kooperationen zwischen Staat und Unternehmen, aber auch der Ressorts untereinnader, so Reinhard Tencz, Leiter des Sachgebiets Cybersicherheit im Minterium für Inneres, Digitalisierung und Migration. Die Digitalisierung sei kein Trend, sondern eine Tatsache, daher müsse man auch so damit umgehen. Dabei spiele die Rekrutierung von Fachkräften eine wesentliche Rolle.

Dr. Claudia Warken leitet den Aufbaustab der Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg für das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration. Die neue Behörde wird das Vorgehen bei erfolgreichen Cyberangriffen koordinieren: „Häufig können wir hier lediglich Schadensbegrenzung betreiben bzw. die Gefahr eindämmen“, daher seien Schulungen, Übungen und Prävention ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit.

Gefahr von Cyberangriffe auch in lebenswichtigen Bereichen

Frank Brech, Leiter Full Kritis Service der Geschäftseinheit Systemkritische Infrastruktur, EnBW Energie Baden-Württemberg AG, weiß, wie Cyberangriffe ablaufen: „Hacker gehen den Weg des geringsten Widerstandes“, es werde nach dem größten Sicherheitsleck gesucht und darüber der Angriff gestartet. Gefährlich sei es, wenn lebenswichtige Bereiche gehackt werden, wie etwa im Bereich der Wasserversorgung und dem Gesundheitssystem. So gelang es beispielsweise Hackern in Florida im Febraur 2021 den Anteil von gefährlichem Ätznatron im Trinkwasser zu erhöhen. Gerade bei der systemkritischen Infrastruktur müsse alles getan werden, um Angriffe abzuwehren. Die EnBW, die inzwischen nicht mehr nur Strom- sondern darüber hinaus auch Infrastrukurpartner sei, kooperiert daher bereits seit Jahren mit dem Innenministerium und dem LKA. Gemeinsame Übungen und die Zusammenarbeit bei Notfällen hätten sich bereits bewährt. Zudem setze die EnBW auf eine Vielfalt an Programmen, die Cyberangriffe erkennen und abwehren.

Freie Studienplätze im Studiengang Wirtschaftsinformatik

Im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Innenministerium Baden-Württemberg und der EnBW AG stellen das Landeskriminalamt einen, das Innenministerium zwei und die EnBW AG fünf Studienplätze für Herbst 2021 bereit. Die Praxisphasen werden wechselseitig in einem Wirtschaftsunternehmen und bei einer (Cyber-) Sicherheitsbehörde durchgeführt, so dass die Studierenden umfassende Kenntnisse zu behördlichen, kriminalistischen und wirtschaftlichen Aspekten des Themenfeldes Cybersicherheit erwerben.

Prof. Dr. Tobias Thomas freut sich: „Nach dem erfolgreichen Start des Studienangebots Wirtschaftsinformatik ist es uns gelungen, in diesem für die Unternehmenspraxis äußerst bedeutsamen Feld Kompetenz zu beweisen und die Partnerschaft zwischen Land und Hochschule zu stärken." Auch der Thementag Cybersecurity soll fester Bestandteil des Curriuculms werden.