Was und wie werden wir in Zukunft essen? Die Studierenden des Studiengangs BWL-Food Management haben sich darüber Gedanken gemacht und sechs nachhaltige Geschäftsideen entwickelt.
Brathähnchen für nachhaltige Genießer: bedingungslose Transparenz bei der Fleisch- und Produktherkunft.
Studiengangsleiterin Prof. Dr. Carolyn Hutter: "Wer in der Foodbranche künftig erfolgreich sein will, muss darauf vorbereit sein, was den Verbrauchern in den kommenden Jahren wirklich wichtig ist.“

Nachhaltige Startups: Sechs Geschäftsideen von Studierenden für die Food-Branche

Nachhaltige Startups: Sechs Geschäftsideen von Studierenden für die Food-Branche

27. August 2020

Die Foodbranche und insbesondere die Fleischindustrie stehen Anfang der Zwanziger Jahre vor großen Herausforderungen, bedingt durch strategische, ethische und ökologische Gründe. Das Kaufverhalten verändert sich in unsicheren Zeiten, die deutsche Preisfokussierung soll zugleich mit Qualitäts- und Nachhaltigkeitsanforderungen vereinbar sein. Längst ist der Markt der gesunden Ernährung aus der Nische von birkenstocktragenden Weltverbesserern herausgetreten. Argumente dafür sind der der Klimawandel und die eigene Gesundheit in einer immer älter werdenden Gesellschaft. Welche nachhaltigen Startups jetzt erfolgreich sein könnten, damit haben sich Studierende des Studiengangs BWL-Food Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn auseinandergesetzt. In Kooperation mit Kitchentown Berlin, Katjes Green Food und Edeka Food Tech Campus und den Campus Founders entwickelten die Studierenden sechs Geschäftsideen:

  1. „easy vegan“ – vegane Foodbox zum Selbstkonfigurieren: „easy vegan“ steht für eine vegane Foodbox, die neben den ausschließlich veganen, regionalen Zutaten auch gleich die Rezeptkarten für die Verarbeitung der Lebensmittel enthält. Monatlich sollen 45 wechselnde Gerichte zur Verfügung stehen. Die Zielgruppe besteht hauptsächlich aus jungen Erwachsenen zwischen 18 und 39 Jahren, die sich bewusst vegan und gesund ernähren möchten. Einige Vorteile des Produktes: die Boxen können individuell an ein Trainingsziel angepasst werden, sind nach Bedarf zusammenstellbar, können bequem von zu Hause bestellt werden und das Abo ist jederzeit kündbar.

  2. „POULET RÔTI“ – Brathähnchen für nachhaltige Genießer: Die Start-up-Idee „POULET RÔTI“ sieht vor, im Zentrum von Heilbronn schmackhafte Hühnchen in vier verschiedenen Geschmacksvariationen anzubieten. Dazu soll es selbstgemachte Dips, passende Getränke sowie diverse Beilagen geben. Bei der Auswahl des Lieferanten wird auf eine artgerechte Haltung der Tiere Wert gelegt. Das Versprechen von POULET RÔTI: Ohne Verzicht. Nachhaltig und gesund zu konsumieren mit Hilfe von bedingungsloser Transparenz und Nachhaltigkeit der Produkte.

  3. „Die Brokkoli-Saurier“ – Ernährungsmagazin für Kinder: Ausgehend von der Tatsache, dass das Wissen um gesunde und nachhaltige Ernährung immer mehr verloren geht, haben sich die Studierenden zum Ziel gesetzt, Kinder durch Spaß und Spiel an gesunde Ernährung heranzuführen. Das Foodmagazin „Die Brokkoli-Saurier“ richtet sich an die Altersgruppe zwischen 6 und 10 Jahren. Mit Slogans wie: „liebe Grüße und esst Gemüse“ soll es Lust auf gesundes Essen machen. Das Magazin informiert über heimische Produkte, beinhaltet gesunde und leckere Rezeptideen, Gewinnspiele, Rätsel und vieles mehr. Anhand von QR-Codes werden Erklärvideos gezeigt, in welchen den Kindern regionale Produkte vorgestellt werden - wie Bauer Martin die Kartoffel erntet oder Daniel über seine Imkerei berichtet. Monatlich sollen neue Folgen abrufbar sein.

  4. Education farmers“ - der Erlebnisbauernhof: Hier soll der perfekte Bauernhof für Kindergarten- und Schulkinder gefunden werden, Tagesausflüge, abenteuerliche Übernachtungen und spannende Erfahrungen auf Bauernhöfen gemacht werden. Dabei werden die Kinder und Jugendliche an die Thematik der Lebensmittelproduktion, Verarbeitung der Produkte und an eine ausgewogene Ernährung herangeführt. Gleichzeitig soll der Landtourismus gefördert werden, indem ein Beitrag zur Erhaltung von landwirtschaftlichen Betrieben geleistet wird. Basis sind Kooperationen mit verschiedenen Bio- Bauernhöfen, so dass Interessenten über eine ausgeklügelte Website bequem ihren Bauernhofaufenthalt buchen können.

  5. „Akaia Fresh Locker“ – die digitalisierte Bäckerei: Wartezeiten und Kontakte mit anderen Kunden in Bäckereien sollen künftig reduziert oder vermieden werden. Der Kunde bestellt seine Ware über eine App, bestimmt selbst die Uhrzeit und holt anschließend seine Bestellung im „Locker“, einem Schließfach ab – völlig bargeldlos. Auch zum Thema Nachhaltigkeit haben sich die Student*innen Gedanken gemacht: Reduzierung des Food Waste aufgrund von Vorbestellungen, Einsparung von finanziellen Mittel und Ressourcen und Entzerrung der Stoßzeiten und somit Entlastung der Mitarbeiter.

  6. „WeVe“ – Hybride Wurst für Noch-nicht-Vegetarier: Entwickelt werden soll eine hybride Wurst, bestehend aus jeweils 50% Fleisch und Erbsenprotein sowie getrockneten Steinpilzen für ein besonderes Geschmackserlebnis. Der Hintergrund der Idee: Marktprognosen zeigen, dass der Umsatz mit Fleischersatzprodukten und In-vitro-Fleisch tendenziell steigt, während der Umsatz von konventionellem Fleisch sinkt. Die hybride Wurst soll sich im Laufe der Zeit zu einer veganen, nachhaltigen Snack-Wurst entwickeln, die gut schmeckt und keine E-Nummern enthält. Dabei legt das Team Wert auf faire Bedingungen bei der Produktion und eine nachhaltige Verpackung.

Prof. Dr. Carolyn Hutter, Studiengangsleiterin von BWL-Food Management, freut sich über die Ergebnisse: „Die Ideen der Studierenden zeigen, dass es viele Ansätze für nachhaltige und wirtschaftlich erfolgreiche Geschäftsmodelle gibt. Corona hat die Schwächen der Nahrungsmittelindustrie entlarvt, wie wir sie seit den 1950er Jahren kennen. Was und wie wir in Zukunft essen werden, diese Frage wird immer dringlicher, unsere Ernährung hat unmittelbare Auswirkungen auf unsere Gesundheit und auf den Klimawandel. Essen wird dadurch auch immer mehr zu einem politischen Akt. Wer in der Foodbranche künftig erfolgreich sein will, muss darauf vorbereit sein, was den Verbrauchern in den kommenden Jahren wirklich wichtig ist.“