Im Rahmen der Veranstaltung "Marketing in unserem Nachbarland Österreich" stellten die Referenten verschiedene Ansätze und Strategien vor.
Josef May, Geschäftsführer Silhouette Deutschland
Jürgen Raab, Filialleiter SAMINA
David Tews, Marketing-Direktor Intersport Deutschland eG
Nach den Vorträgen blieb noch genügend Zeit für Fragen aus dem Publikum.

Marketing in Österreich: Unterschiedliche Strategien trotz gleicher Sprache

Marketing in Österreich: Unterschiedliche Strategien trotz gleicher Sprache

07. Februar 2020

Am Donnerstagabend lud der Marketing Club Region Stuttgart-Heilbronn zur Veranstaltung „Marketing in unserem Nachbarland Österreich“ ein. Im Hörsaal der DHBW Heilbronn begrüßte Prof. Dr. Günter Käßer-Pawelka die Moderatoren und Gastredner und übergab das Wort an Siegfried Weidlich, dem Vizekonsul für Handelsangelegenheiten im Österreichischen Außenwirtschaftscenter Stuttgart.

Mit einem kurzen Videobeitrag zeigte Weidlich, wie das Unternehmertum in Österreich den Firmen nähergebracht werden soll. „Interessant ist, dass es – trotz vieler Parallelen zwischen Deutschland und Österreich – einige Unterschiede im Marketing gibt“, stellte der Veranstaltungsmoderator dabei heraus. Co-Moderator Dr. Andreas Schumm, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken, freute sich über die Zusammenkunft von Marketingexperten aus beiden Ländern an diesem Abend.

Einheitlicher Slogan, Unterschiede beim Produkt-Claim

Den ersten Vortrag des Abends präsentierte Josef May, Geschäftsführer von Silhouette Deutschland. Das österreichische Unternehmen ist Komplettanbieter für Brillengläser und -rahmen. Silhouette vertreibt die Produkte auf allen Kontinenten in mehr als 100 Ländern. May berichtete, dass die Firma weltweit mit demselben englischen Slogan „Try it. Wear it. Love it.“ auftritt. Anders verhält es sich beim Produkt-Claim: May verrät, dass in Österreich die englische Variante („You’ll never want to wear anything else again.“) ebenfalls funktioniere, während das Unternehmen in Deutschland eine deutschsprachige Übersetzung gewählt habe. Wichtig sei in der Kommunikation zudem das Qualitätsversprechen „Made in Austria“.

SAMINA stellt Verbundenheit mit der Region in den Mittelpunkt

Im Anschluss berichtete Jürgen Raab, Filialleiter von SAMINA, über die Marketingstrategie des Unternehmens, welches individuelle Schlafsysteme herstellt. Das Unternehmen aus Vorarlberg setze seine Schwerpunkte auf die Verbundenheit mit der Region sowie den orthopädischen Vorteil der Bettsysteme. Raab stellt heraus, dass alle Materialien aus biologischem Anbau stammen und – sofern möglich – direkt aus Vorarlberg. „Jedes Produkt wird individuell auf den Kunden zugeschnitten und ist somit ein Unikat. Wir sehen uns daher eher als Manufaktur“, so der Filialleiter. SAMINA beliefere inzwischen auch mehr als 20 andere Länder, eine spezielle Marketinganpassung gebe es allerdings nicht. Im Vordergrund stehe die Qualität des Familienunternehmens.

Unterschiedlich populär: Biken in Österreich, Running in Deutschland

Den letzten Vortrag lieferte David Tews, Marketing-Direktor bei Intersport Deutschland eG. An einigen Beispielen zeigte er auf, wie unterschiedlich das Unternehmen mit Hauptsitz in Heilbronn die Vermarktung in Österreich und Deutschland handhabe. Deutlich werde dies am Beispiel Biken: „In Österreich ist Radfahren unglaublich populär, während im Deutschland Running beim Freizeitsport an erster Stelle steht“, berichtete Tews. Auch das Einkaufsverhalten variiere: In Deutschland werden digitale Angebote häufiger genutzt als im Nachbarland. Zudem sei die Vielfalt an Zeitungen sowie im Fernsehen und Hörfunk deutlich höher in Deutschland. „In Österreich hat man mit Werbeanzeigen in zwei Zeitungen und einem Radiosender den Großteil abgedeckt“, so der Marketing-Direktor. Dies habe natürlich auch Auswirkungen auf die Kosten und Reichweite bei Werbemaßnahmen in den beiden Nachbarstaaten.

Eine Sprache – eine Strategie?

Tews bilanzierte abschließend, dass aus der Erfahrung von Intersport Marketing und Vertrieb in Österreich und Deutschland nicht über einen Kamm geschert werden könne. Zu groß seien die Unterschiede in Hinsicht auf Markenaffinität, digitale Angebote, Tourismus, Medien und Handelsstruktur. Damit lieferte Tews die perfekte Überleitung in die Diskussion mit dem Publikum. Die Zuhörer*innen konnten ihre Fragen direkt an die Referenten stellen, ehe Prof. Dr. Günter Käßer-Pawelka den offiziellen Part der Veranstaltung schloss.