"Moment mal" heißt die neue Ausstellung in der DHBW Heilbronn. Künstlerin Lewitzka-Wirsching wünscht sich ein Innehalten im Dialog mit den Bildern.
Der Vorsitzende des Fördervereins der DHBW Heilbronn Otto Lindner begrüßt die Gäste.
Das junge Streicherquartett der Musikschule Heilbronn leitete den Abend ein.
Applaus für die jungen Musikerinnen.
Reger Andrang beim Abend voller Musik und Kunst.
Elke Frei vom Franken-Hospiz Weinsberg berichtet über die Arbeit mit Menschen auf dem letzten Lebensweg.
Natalie Scheerle-Walz vom Zweirad- und- NSU Museum in Neckarsulm hielt die Laudatio.

Im Dialog mit Farbe und Raum

Im Dialog mit Farbe und Raum

21. September 2018

Die neue Ausstellung „moment mal" von Claudia Lewitzka-Wirsching wurde gestern mit einer Vernissage an der DHBW Heilbronn eröffnet. Den Erlös der Ausstellung spendet die Künstlerin dem Franken-Hospiz Weinsberg.

Pünktlich um siebzehn Uhr schwebte leise Musik in das voll besetzte Foyer der DHBW Heilbronn, das Streicherquartett der Musikschule Heilbronn führte Besucher der Vernissage sanft in den Abend.

Prorektor Prof. Dr. Otto Weidmann und der Vorsitzende des Fördervereins der DHBW Heilbronn, Otto Lindner, eröffneten gemeinsam die Ausstellung und begrüßten die Gäste, unter anderem Nico Weinmann, Mitglied des Landtags Baden-Württemberg. Sie freuten sich, dass durch die Bilder das DHBW-Gebäude wieder lebendig und energiegeladen wirkt.

Die Ausstellung ist dem Franken-Hospiz Weinsberg gewidmet, alle Erlöse aus den Bilderverkäufen kommen zu einhundert Prozent der Einrichtung zu Gute. Elke Frei, Leiterin des Franken-Hospiz, erzählte von „einem ganz besonderen Ort", dessen Mitarbeiter Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten. Das Pflegeteam besteht ausschließlich aus Fachpersonal, welches über eine Palliative-Care-Ausbildung und weiteren Zusatzqualifikationen verfügt. Insgesamt 1460 Gäste wurden seit 1997 in den acht Zimmern umsorgt. Zu 95 Prozent werden die Kosten für einen Hospiz-Aufenthalt von der Krankenkasse und Pflegeversicherung übernommen, der Rest muss über Spenden finanziert werden.

„Was hat Kunst mit einer Hochschule zu tun, in der Management gelehrt wird?“, fragt Natalie Scheerle-Walz vom Deutschen Zweirad- und NSU-Museum in ihrer Laudatio. Ihre Rede zieht Parallelen zur Kreation in der Kunst und der Kreativität im Job. „Der Regisseur Steven Spielberg", so Scheerle-Walz, „vertritt die Meinung, dass Kreativität nicht nur für die Kunst reserviert ist." Manager von morgen gestalten ihre Karriere, malen sozusagen ein „Berufsbild". Das Studium gibt ihnen das notwendige Handwerkszeug mit auf den Weg. Was dem Manager seine Management-Tools sind, ist dem Künstler der Pinsel und die Farben.

 „Ich komme aus der Farbe", sagte Lewitzka-Wirsching einmal. Dabei ist sie nicht geblieben: Farbschichten legen sich in ihren Bildern übereinander und entwickeln im Prozess dreidimensionale Räume. Vielschichtigkeit ist ihr Motto, ihr Werk voller kreativer Widersprüche: mal ein zarter Hauch von Rosa, dann wieder kräftige pastose Rottöne. Wirbel wechseln ab mit ruhigen Flächen, spontane Ideen und Striche schaffen eine in sich geschlossene Struktur. Lewitzka-Wirsching stellt ihre Farben selbst her. Indem sie Pigmente anmischt, erreichen ihre Bilder eine höhere Brillanz und mehr Ausdruck.

In ihrem Leben vor der Kunst arbeitete Lewitzka-Wirsching als Zahnärztin. Der Wechsel von einem Job, der eine Präzision von einem Zehntel Millimeter erfordert, hin zu großformatigen Leinwänden scheint gewaltig. Doch beide Tätigkeiten beanspruchen ein hohes Maß an Konzentration. Fast meditativ versinkt Lewitzka-Wirsching in der Stille, wenn sie malt. Am Anfang steht das Format, alles andere – Farbe, Struktur und Schichten – entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit dem Bild. Kreativität, die leicht erscheint, ist – wie auch der Alltagsjob Zahnärztin – schwere Arbeit. Gerade große Leinwände verlangen nicht nur dem Geist, sondern auch dem Körper viel Kraft ab.

Lewitzka-Wirsching arbeitet an sechs bis acht Leinwänden gleichzeitig. Dabei macht sie Pausen, wenn der kreative Fluss unterbrochen ist, hält inne und tritt zurück. Der andere Winkel, der neue Standort ergeben eine neue Perspektive. Oft entwickelt sie das Bild weiter, aber manchmal gibt es auch einen radikalen Schnitt und die Fläche wird übermalt.

„moment mal" ist nicht nur Titel der Ausstellung, sondern vor allem Wunsch der Künstlerin. In einer schnelllebigen Gesellschaft, die Bilder im Sekundentakt konsumiert, hofft sie auf mehr Zeit zum Innehalten. Auf Betrachter, die stehenbleiben und mit dem Bild in den Dialog treten. So wie schon Rothko, Haring und Richter zuvor hat sie sich dagegen entschieden, ihren Werken Namen zu geben. Ganz bewusst tragen die Bilder nur Nummern, um den Betrachter in seiner Wahrnehmung nicht einzuschränken.