Eine Markthalle für Ilsfeld? Warum es Sinn macht, in den Erlebniseinkauf zu investieren

Eine Markthalle für Ilsfeld? Warum es Sinn macht, in den Erlebniseinkauf zu investieren

23. November 2017

Es geht um nicht weniger als den ganz realen Umbau der Alten Kelter in Ilsfeld zu einer Markthalle. Knapp fünfzig BWL-Studierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn haben in ihrem dritten Semester das Vorhaben umfassend betriebswirtschaftlich analysiert und ein Business-Konzept präsentiert. Fest steht: Eine Markthalle funktioniert nur dann, wenn sie zu einem Treffpunkt und der Einkauf zum Aufenthalt, zu einem Erlebnis für die Sinne wird.

Umfassende Datenanalyse als Basis

Werner Häfele ist Projektinitiator und Leiter des Projektes „Markthalle Ilsfeld“. Als Geschäftsführer der Metzgerei Häfele im Raum Ilsfeld weiß er, dass es nicht genügt, sich auf das Interesse der Ilsfelder Einwohner zu verlassen. Damit eine Markthalle wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden kann, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden: Zum Beispiel die Wettbewerber aus der unmittelbaren Nachbarschaft, die Standortfaktoren, die Logistik sowie das Engagement der potenziellen Mieter. Die Studierenden haben über Wochen eine Viel-zahl an Daten gesammelt und aufbereitet, um eine fundierte Einschätzung über die Erfolgsfaktoren liefern zu können. An zwei Tagen haben sie sogar Autos gezählt, um herauszufinden, mit wie vielen „Vorbeifahrern“ später an der Markthalle zu rechnen ist.

Produktvielfalt gepaart mit hoher Qualität

Bei der Marktanalyse potenzieller Mieter haben die Studierenden Kontakt zu verschiedenen Lebensmittelhändlern im Umkreis aufgenommen. Viele seien zwar interessiert, es müsse jedoch sichergestellt sein, dass eine ausreichende Produktvielfalt vorhanden sei, um die Fläche auch bespielen zu können. „Der sensibelste Punkt einer Markthalle ist das Thema Obst und Gemüse“, weiß Werner Häfele, der die Probleme anderer Markthallen kennt. Das Angebot müsse frisch, vielfältig und hervorragend präsentiert sein, um die Kunden in die Markthalle zu locken. Mithilfe einer Umfrage vor Ort gingen die Studierenden der Frage nach, welche Händler in der Markthalle besonders interessant wären. Das Ergebnis: Neben dem typischen Angebot eines Bäckers, Metzgers und Obst- und Gemüsehändlers seien auch weitere Angebote aus Anwohnersicht wünschenswert, wie zum Beispiel ein Fischhändler oder ein regionaler Käsehändler. In ihre Planung schlossen die Studierenden auch die Abfallwirtschaft mit ein. Um den Müll so gering wie möglich zu halten, sei auch hier ein nachhaltiges Konzept sinnvoll. Produkte, die nicht mehr verkauft werden dürfen, könnten an Tafeln für Obdachlose oder auch an Tierparks gespendet werden.

Ein Ort für Genuss, Einkauf und Nostalgie

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studierenden lautet: Eine Markthalle funktioniert dann, wenn sie nicht nur Verkaufsraum bleibt, sondern sich zu einem generationenübergreifenden Begegnungsort entwickelt. Ein besonderes Interesse der Ilsfelder galt laut der Studierenden der Kultur und den Veranstaltungen in der Markthalle. Weinabende seien genauso gewünscht wie Buchvorlesungen, Tanz- oder Clubabende. Schauen, essen, hören, probieren, kaufen – in einer Markthalle paare sich der Einzelhandel mit der Slow Culture. Auch das Design spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Vom Erscheinungsbild sollen sich alle Altersgruppen angesprochen fühlen. Holz sei dabei ein wichtiges Element, das warm und gemütlich wirke und auch gut zum nostalgischen Charme der Alten Kelter passe. Hellere Farben sollen der Markthalle ein freundliches und modernes Erscheinungsbild verleihen.

Umbau für das kommende Jahr geplant

Projektleiter Häfele ist sich sicher: Bis Ende des Jahres sollen zwei Drittel der Mietverträge für die geplante Markthalle unterschrieben sein, dann startet der Umbau. Die Studierenden hätten eine wichtige Vorarbeit geleistet, Kontakte hergestellt und mit kritischem Blick noch offene Fragen thematisiert. Prof. Dr. Nicole Graf, Rektorin der DHBW Heilbronn, freut sich, dass Ilsfeld damit bald von diesem „besonderen Highlight“ profitiert. Auch Prof. Dr. Beate Scheubrein als Studiengangsleiterin Handel ist begeistert vom Ergebnis der studentischen Analyse. „Die Studierenden konnten an einem realen Projekt lernen, welche betriebswirtschaftlichen Aspekte bei der Neugründung einer Markthalle zu betrachten sind. Das ist unseren Studierenden hier hervorragend gelungen.“