Prof. Dr. Dirk Schwarzer
Porträtaufnahme von Prof. Dr. Dirk Schwarzer

Nach dem Turnier ist vor dem Turnier

Nach dem Turnier ist vor dem Turnier

11. Februar 2013

Prof. Dr. Dirk Schwarzer, sportlicher Leiter der Heilbronn Open und Studiengangleiter DLM-Sportmanagement an der DHBW Mosbach Campus Heilbronn über das Tennisturnier und besondere Herausforderungen des Sportmanagements.

Die Heilbronn Open spielen seit 31 Jahren in der ersten Liga der ATP-Challenger Turniere. Durch die aktive Unterstützung der Sponsoren konnte das Preisgeld erhöht werden. Das Event im Rauhen Stich gehört nun zu den „Top-10“-ATP-Challenger Turnieren der Welt. Prof. Dr. Dirk Schwarzer, Studiengangleiter DLM-Sportmanagement am Campus Heilbronn der DHBW Mosbach, ist seit den achtziger Jahren dabei. Mit dem Turnier sind auch seine Aufgaben gewachsen: Er war Leiter des Fahrdienstes, Turnierleiter des Junior Challenger Cups, spielte selbst in der Qualifikation und ist seit 2005 Sportlicher Leiter des Turniers.

Was war Ihr persönliches Highlight in all den Jahren?

Schwarzer: Es ist schwierig, über all die Jahre nur ein Highlight zu nennen. Sicherlich an erster Stelle die eigene Teilnahme, auch wenn ich damals gleich in der ersten Runde verloren habe. Einer der eindrucksvollsten Momente in meiner persönlichen Turniergeschichte war auch der Schaukampf zwischen Stefan Edberg, Charly Steeb, Goran Ivanisevic und Henri Leconte zum Anlass unseres 25-jährigen Jubiläums. Ehemalige Weltranglisten-Erste bei uns in Heilbronn –, ein tolles Erlebnis. In der Rückschau erinnere ich mich auch gerne an die Auftritte von Roger Federer und Rafael Nadal, damals noch Nachwuchstalente, die sich bei uns durch die Qualifikation gekämpft haben. Schon zu diesem Zeitpunkt konnte man sehen, dass sie etwas mitbringen, das nicht jedem gegeben ist.

Nach so vielen Jahren spielen die Heilbronn Open immer noch in der ersten Turnier-Liga. Was gab es Neues 2014?

Schwarzer: Etwas speziell Neues kann ich nicht feststellen. Vielmehr wird unsere Tradition mit Leben gefüllt. Der diesjährige Sieger, Peter Gojowczyk, bestätigte wieder einmal unser Turnier-Motto „Mit uns an die Spitze“: Durch seinen Sieg bei den INTERSPORT HeilbronnOpen wird er ab dem heutigen Tag in der Weltrangliste unter den Top 100 geführt werden. Für ihn ist das eine erfreuliche Entwicklung. Über die Jahre hinweg erkennt man jedoch gewisse Trends, die nicht nur unser Turnier betreffen, etwa die zunehmende Professionalisierung im Tennisgeschäft. Die Kommunikation läuft nicht mehr direkt über die Spieler, sondern mit ihren Managern. Darüber hinaus spüren wir bei den Zuschauern eine immense Erwartungshaltung. Wenn es dir nicht gelingt, einen absoluten Weltklasse-Spieler zu holen, dann wirst du schnell als zweitklassiges Event eingestuft.

Nach dem Turnier ist vor dem Turnier: Wie weit sind die Planungen für 2015?

Schwarzer: Mit dem offiziellen „Supervisor Report“ der Spielergewerkschaft, der am Final-Sonntag stattfindet, beginnen gemeinhin die Vorbereitungen für das nächste Jahr. Wir wurden wieder als hervorragender Challenger-Event evaluiert. Auch wenn das Turnier wieder ein großer Erfolg war, können wir leider für 2015 noch keine konkreten Schritte einleiten, da erst wichtige Weichenstellungen vorgenommen werden müssen.

Als leitender Sportdirektor der Heilbronn Open und Professor für Sportma-nagement in Personalunion leben Sie die Verbindung von Theorie und Praxis. Wie bereitet das Studium an der DHBW Ihre Studierenden darauf vor, vielleicht selbst einmal Großevents zu organisieren?

Schwarzer: Das Management von professionellen Sportveranstaltungen und Marketing-Events im Sport ist wesentlicher Baustein unseres Studienplans. Die Studierenden lernen dabei vor allem, dass Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle eines Events als Projektmanagement-Prozess aufzufassen sind. Sportevents sind klassische Dienstleistungen im Sport, die unterschiedliche Zielgruppen mit je eigenen Motiven ansprechen. Die Vermarktung eines Sportevents richtet sich primär an potenzielle Zuschauer, die auf dem Zuschauermarkt rekrutiert werden müssen. Dabei konkurriert man mit anderen Veranstaltungen und Freizeitgestaltungen außerhalb des Sports. Wir sind aber auch auf dem Sportlermarkt aktiv – ohne Weltklasse-Tennisspieler könnten wir unser Niveau nicht halten. Und schließlich gibt es Folge- und Supportmärkte, beispielsweise die Medien und vor allem die Sponsorenpartner. Die Aufgabenbereiche sind dementsprechend sehr vielfältig. Die Studierenden lernen, welche Stakeholder grundlegend bei einem Event Ansprüche stellen, und sie erfahren auch, wie diese Komplexität zu managen ist. Die Arbeit mit Fallstudien – nicht nur die INTERSPORT HeilbronnOpen – bietet sich in den entsprechenden Lehrveranstaltungen natürlich an. In diesem Jahr war Deborah Borzer Teil des Organisationsteams. Sie hat im vergangen Herbst ihr Sportmanagement-Studium erfolgreich mit dem Bachelor abgeschlossen.

Welche Berufs- und Tätigkeitsfelder stehen den zukünftigen Sportmanagern offen? Auf welche aktuellen Entwicklungen im Sport sollten sie vorbereitet sein?

Schwarzer: Sportmanager, die bei uns ausgebildet werden, haben ihre Zukunft in ganz unterschiedlichen Branchenzweigen: Sportartikelindustrie und Sportfachhandel, Gesundheits- und Wellnessbereich, Fitnessstudios, öffentliche Sportverwaltungen der Städte, Sporttourismus, kommerzielle Multisport-Anlagen, professionelle und halbprofessionelle Teamsportunternehmen und natürlich bei gemeinnützigen Sportvereinen und -verbänden.

Das Management von und im Sport kann nur gelingen, wenn man gesellschaftliche Entwicklungen und Trends im Auge behält. Deshalb greift ein rein betriebswirtschaftlicher Zugang zu kurz, er muss um die Besonderheiten des Sports ergänzt werden. In der Sportbranche steht die Dienstleistung an der Person im Vordergrund; bei Sportevents haben Sportler, Zuschauer und Veranstalter sehr unterschiedliche Erwartungen, die gegeneinander abgewogen werden müssen.

Der Sport hat sich zu einem bedeutenden Wirtschafts- und Wachstumsmarkt entwickelt, der immer neue Herausforderungen bereithält. So existiert aktuell in der Sportartikelbranche das „Spannungsfeld“ zwischen stationärem und dem Online-Handel. Anderes Beispiel: In der Fitnessbranche liegt der Fokus vieler Betriebe auf der Neukundengewinnung, die Bindung der Mitglieder wird dagegen zu stark vernachlässigt. In diesem Branchenzweig gibt es Fluktuationsquoten von über 50 Prozent.

Herr Prof. Schwarzer, wir danken für dieses Gespräch.