Gemeinsam für die kulturelle Entwicklung von Heilbronn: v.l.n.r. Prof. Dr. Nicole Graf, Robert Mucha, Prof. Dr. Yvonne Zajontz , Susan Barth und Prof. Reinhold Geilsdörfer
Rektorin Prof. Dr. Nicole Graf freut sich über die große Resonanz.
Die Daten ihrer neuesten Schwarmstadt-Studie belegen: Heilbronn braucht eine pulsierende Innenstadt und mehr Individualität.
Auf Film festgehalten: Studierende des Studiengangs DLM-Medien und Kommunikation dokumentieren das erste Forum Schwarmstadt Heilbronn.
Angeregte Diskussionen: Auf der Bühne im Anschluss an die Vorträge und im Raum nach der Pause.
Mannheims Cultural Innovation Officer Dr. Matthias Rauch gibt Nachhilfe in Sachen Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft.
Heilbronn im Blick: Prof. Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer der Dieter Schwarz Stiftung, gibt einen Ausblick auf kommende Projekte.

Kommen, um zu bleiben - Forum "Schwarmstadt Heilbronn" sucht Antworten

Kommen, um zu bleiben - Forum "Schwarmstadt Heilbronn" sucht Antworten

09. März 2018

Für die DHBW Heilbronn und das Hanix-Magazin war das erste „Forum Schwarmstadt Heilbronn“ am 27. Februar 2018 eine Initialzündung zur kulturellen Stadtentwicklung. Die Frage: Wie wird Heilbronn eine Stadt, in der sich der Schwarm junger Menschen nicht nur zum Studium, sondern dauerhaft niederlässt? Eine Frage, die viele umtreibt, wie man am hochrangigen Publikum und dem gut gefüllten Saal erkennen konnte.

Zwei haben sich gefunden und kämpfen jetzt gemeinsam für Heilbronn: Robert Mucha, Gründer des Hanix- Magazins und Personifizierung der Kultur-und Kreativwirtschaft, und Prof. Dr. Yvonne Zajontz, Studiengangsleiterin der DHBW Heilbronn und Marktforscherin aus Leidenschaft. Ihre gemeinsame Studie unter 1089 Heilbronnern bestätigt, was die Kreativwirtschaft schon lange ahnte: Heilbronnern fehlt – trotz spürbarem Aufschwung als Bildungsstadt – ein pulsierendes Stadtleben mit individuellen Treffpunkten, Läden und Gastro-Betrieben. Also Formate, die vor allem das jüngere Publikum nach Heilbronn ziehen und halten. Nicht zu vergessen sind die ungefähr 2000 Jugendlichen, die direkt nach dem Schulabschluss ihre bisherige Heimat verlassen. „Eine Gesamtzufriedenheit von 3,2 hält keine Absolventen mit einem Schnitt von 1,0“, bringt Mucha die Ergebnisse auf den Punkt.

Jetzt suchen Mucha und Zajontz Mitstreiter und möchten das Projekt Schwarmstadt Heilbronn in einen weiten Raum stellen. Dass dieser Wunsch erfüllt wurde, zeigte das vielseitige Publikum, das trotz eisiger Temperaturen den Weg an die DHBW Heilbronn gefunden hatte. Moderiert wurde die Veranstaltung von Susan Barth, verantwortlich für die Innovations- und Gründungskultur an der Hochschule Heilbronn. Als Coach kennt sie das Thema Veränderungen genau: „Es dauert, Veränderungen nicht als Schockmoment, sondern als Chance zu begreifen.“

Motoren der Veränderung

Prof. Dr. Nicole Graf, Rektorin der DHBW Heilbronn, freute sich über die große Resonanz: " „Sie zeigt das massive Interesse vieler Akteure, Heilbronn weiter zu entwickeln und die Attraktivität für junge Menschen zu steigern“.  Die DHBW Heilbronn, obwohl selbst jüngster Standort der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, ist seit ihrer Gründung Motor für positive Impulse und Konzepte:Das „Forum Schwarmstadt Heilbronn“ bildet den Höhepunkt in einer langen Reihe von Projekten wie Heilbronn2023, Integrationsseminare für die BUGA2019, die Heilbronner Marketinggesellschaft und die Stadtwerke, das Weindorf und verschiedene Sportvereine. „Kultur und Kreativität sind kein Luxus für eine Stadt, sondern notwendig, um Führungsnachwuchs an Heilbronn zu binden“, so Graf. 

Prof. Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer der Dieter Schwarz Stiftung, freut sich, dass Heilbronn bereits jetzt im Ranking der 30 deutschen Schwarmstädte gelistet ist. Studierenden die besten Rahmenbedingungen für ihre Bildung zu geben, das ist die Aufgabe, der sich der Stifter Dieter Schwarz verschrieben hat. In Zukunft setzt die Stiftung vermehrt auf kreativen Input in der Wirtschaft: Die ehemaligen Wagenhallen werden zum Startup-Zentrum umgebaut.

Mannheim als Vorbild

Mannheim hat es vorgemacht: Seit 2003 hat sich der Industriestandort mit dem grauen Charme der Nachkriegsarchitektur zum Treffpunkt der Musikwirtschaft, kreativen Szene und Startup-Nährboden entwickelt. Dr. Matthias Rauch, Cultural Innovation Officer, sprach über die Evolution Mannheims zur UNESCO City of Music. Meilensteine wie die Pop Academy, das Alte Volksbad und der C-Hub haben das Stadtbild nachhaltig verändert. Er selbst sieht sich als Vermittler zwischen den einzelnen Akteuren, der immer wieder das Silo-Denken aufbricht. Ein wichtiges Detail: Im Startup Center gibt es eine gute Gastronomie. Kreative entwickeln ihre Ideen nicht am Schreibtisch, sondern oft nach Feierabend. In der Stabsstelle kümmern sich mittlerweile 15 Personen um die kulturelle Entwicklung Mannheims und Förderstrukturen für die Kultur-und Kreativwirtschaft. Rauch sieht hier einen klaren Wettbewerbsvorteil im Kampf um Fachkräfte.

Wo steht Heilbronn?

Davon kann Karin Schüttler, Leiterin des Schul-, Kultur- und Sportamts in Heilbronn, nur träumen. Momentan ist der Kulturbereich mit 3,5 Stellen nicht gerade überbesetzt. Doch es tut sich etwas: Die Aktionen „Schwarmstadt Heilbronn“ und die neue Kulturkonzeption der Stadt bringen politische und wirtschaftliche Akteure, Kreative, Hochschulen und Schulen, Vereine und jeden Interessierten an einen Tisch. Dass das nicht ohne kontroverse Diskussionen abläuft, ist klar. Coach und Moderatorin Barth sieht hier einen Pluspunkt: „Reibungen und Widerstände sind notwendig, um Veränderungen in Gang zu setzen.“ Eine weitere Herausforderung ist es, ein Kernthema zu finden, mit dem Heilbronn seine Position auf der kulturellen Landkarte bestimmt.

Dass großes Interesse in der Bevölkerung besteht, zeigen die Ergebnisse der Studie: Rund eine halbe Stunde hat es gedauert, die 89 geschlossenen und 15 offenen Fragen durchzuarbeiten. Ein Seltenheitswert unter Marktforschern – und das ganz ohne Incentive. Der Tenor unter den Befragten ist eindeutig: die Begriffe „Aufschwung“, „Neckar“ und „unattraktives Stadtbild“ fielen am häufigsten. Touristisch ist die Stadt wenig empfehlenswert, Freunden zeigt man eher das landschaftlich schöne Umland, auf keinen Fall die Innenstadt. Was fehlt? Ein günstiger Nahverkehr, gute Radwege, bezahlbarer Wohnraum und Individualität in der Innenstadt. Auch bei den Stichworten „digital“ und „weltoffen“ besteht noch viel Luft nach oben.

Neue Anfänge

Der Anfang ist gemacht. Für Zajontz sind weitere Projekte denkbar: Vergleichsstudien mit ähnlichen Städten (z.B. Koblenz) oder eine Langzeitstudie, die die Situation nach zwei Jahren erneut analysiert. Sie freut sich vor allem über die positiven Rückmeldungen der Forum-Teilnehmer. Jetzt geht das Projekt in die zweite Runde: Viele Besucher haben Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit signalisiert. Mucha ist optimistisch: „Es gibt viele Ansatzpunkte, Programme zu entwickeln“. Für den Moment wünscht er sich mehr Begegnungsstätten, unkompliziertere Prozesse und vor allem mehr Anerkennung für die Kreativen der Stadt. Sein Ziel? „Mindestens eine 2 für Heilbronn.“