"In Deutschland soll kein Kind hungern müssen" - Uschi Glas zu Gast an der DHBW Heilbronn

"In Deutschland soll kein Kind hungern müssen" - Uschi Glas zu Gast an der DHBW Heilbronn

09. Februar 2015

Sie sind ein perfektes Gespann: Die beliebte Schauspielerin Uschi Glas und ihr Mann, der Unternehmensberater Dieter Hermann. Mit ihrer Leidenschaft und seiner Expertise riefen sie eine der erfolgreichsten Nonprofit-Initiativen ins Leben: brotZeit e.V. Im Jahr 2008 starteten sie mit vier Münchner Schulen, heute versorgen sie bereits 155 Brennpunktschulen aus sechs Förderregionen mit Frühstück. Beim fünften Students‘ Executive Talk erfuhren die Studierenden aus erster Hand, was soziales Engagement bewirken kann und wie viel kluges Management hinter einem solchen Projekt steckt.

Im Sommer 2008 hörte die Schauspielerin Uschi Glas einen Radiobericht, der sie tief betroffen machte. Darin hieß es, dass in der reichen Stadt München 3.000-5.000 Kinder während des Unterrichts unter Hunger leiden, weil sie nicht frühstückten. Bereits am nächsten Tag setzte sich die Schauspielerin mit den Münchner Schulen in Verbindung und begann die Arbeit für ein Projekt, das jetzt unter dem Namen brotZeit e.V. bundesweit bekannt ist.

Kinder sind konzentrierter – und weniger aggressiv

Das Konzept von brotZeit e.V. klingt einfach und wirkt aber auf sehr vielschichtige Weise. Zunächst setzt es da an, wo es wirklich wichtig ist. Kinder, die hungern, können nicht lernen. Das gemeinsame Frühstück in einem geborgenen geschützten Raum gibt den Kindern viel mehr. Sie lernen einen fairen und respektvollen Umgang miteinander, den Umgang mit Besteck und, dass Gemüse im Boden wächst und nicht aus Plastikpackungen kommt. Der Krankenstand sinkt, der Pflasterverbrauch lässt nach und die Kinder sind nicht mehr so aggressiv und gereizt.

Auch für die 900 Senioren, die jeden Tag liebevoll das Frühstück zubereiten, ein Buffet aufbauen und den Kindern und ihren Sorgen ein offenes Ohr schenken, ist brotZeit e.V. ein Segen. brotZeit e.V. ist auf die ehrenamtlichen Helfer angewiesen, die wiederum von einem strukturierten Tagesablauf und vielen neuen Kontakten und Freundschaften profitieren. brotZeit glaubt nicht an schnelle Problemlösungen. Darum plant der Verein langfristig und nachhaltig. Alle großen Partner aus der Wirtschaft haben sich auf viele Jahre bereit erklärt, den Verein zu unterstützen.

Region Heilbronn: Problem der Schere zwischen Arm und Reich

Im Anschluss an den Vortrag ging das Mikrofon im Saal von Hand zu Hand. Die Studierenden der Kurse Konsumgüterhandel, Food Management und  Dienstleistungsmanagement hatten viele Fragen.  Wie die Logistik geregelt sei, wie mit den Hygienevorschriften umgegangen wird, warum Heilbronn als eine der Förderregionen ausgewählt wurde. Eine Studentin gibt in ihrer Freizeit Nachhilfeunterricht an Brennpunktschulen. Ihr war als einer der wenigen klar, wie weit die Schere zwischen Arm und Reich selbst in wohlhabenden Regionen wie Heilbronn geöffnet ist. Besonders erschreckend: Am Montag und Freitag ist der Verbrauch beim brotZeit-Frühstück besonders hoch. Die Kinder essen vor oder füllen sich die leeren Mägen vom Wochenende.

Vision: Frühstücksangebot für Kinder in ganz Deutschland

Dank eines skalierbaren Systems ist brotZeit e.V. nach oben keine Grenzen gesetzt, alle Abläufe und Qualitätskriterien sind dokumentiert. Das macht sich bemerkbar: Mittlerweile werden in Hamburg alle Brennpunktschulen mit Frühstück versorgt, der Staat unterstützt das Projekt. Nach Bayern und Hamburg ist brotZeit e.V. jetzt im Gespräch mit der baden-württembergischen Landesregierung. Glas und Hermann haben die Vision, das Angebot flächendeckend auf ganz Deutschland auszuweiten. „In Deutschland soll kein Kind hungern müssen“, so Uschi Glas im anschließenden Gespräch. „Und warum nicht in ganz Europa? Das wäre fantastisch.“ Die Engländer denken ähnlich. Dort gibt es seit 2011 die Organisation „Magic Breakfast“, die über 16.000 Schüler täglich mit einem vollwertigen  Frühstück versorgt.