Zukunftsmusik im Onlinehandel: Wolfgang Meyer vom Haus der Musik (Detmold) orchestriert erfolgreich On- und Offline.
Interessante Vorträge und neue Inspirationen für die Praxis - die zweiten Retail Innovation Days an der DHBW Heilbronn.
Intelligente Geschäfte der Zukunft - Hannah Bartkowiak von SAP mit Prof. Dr. Ralph Scheubrein vom Organisatoren-Team der RID 2017
Dr. Marcus Rodermann, Geschäftsleitung von Kaufland Omnichannel International, im Gespräch mit Prof. Dr. Stephan Rüschen zum Thema eFood
Daumen hoch! Ein Teil des Organisatorenteams der Retail Innovation Days freut sich über großen Anklang.
Der Sieger der Start-up Challenge ist Fashion Cloud, die neue Online-Plattform für den Modehandel.
Engagierte Vorträge, unter anderem von Frank Rehme, CEO von gmvteam, zu Perspektiven im Handel 2020.

Zukunftsmusik im Handel: Retail Innovation Days 2017 an der DHBW Heilbronn

Zukunftsmusik im Handel: Retail Innovation Days 2017 an der DHBW Heilbronn

04. April 2017

Am 28. und 29. März 2017 kamen über 350 Teilnehmer zu den Retail Innovation Days an der DHBW Heilbronn. Etablierte Unternehmen und Start-ups, Professoren und Studierende diskutierten zwei Tage lang die (digitale) Zukunft des Handels. Damit konnte das Handelssymposium den Erfolg des letzten Jahres noch steigern.

In ihrer Begrüßung machte Rektorin Prof. Dr. Nicole Graf deutlich, dass Heilbronn bereits 1904 seiner Zeit voraus war. Gustav Lichdi hat mit seinen fahrenden Lieferwagen-Filialen und einem der ersten Selbstbedienungsläden Deutschlands eine neue Epoche im Handel eingeläutet. Ungefähr 100 Jahre später finden mit den Retail Innovation Days an der Dualen Hochschule die neuesten digitalen Entwicklungen wieder ihren Platz in der Stadt am Neckar.

Das Professorenteam aus Prof. Dr. Oliver Janz, Prof. Dr. Stephan Rüschen, Prof. Dr. Carsten Kortum, Prof. Dr. Ralph Scheubrein und Prof. Dr. Ludwig Hierl stellten neue Publikationen und aktuelle Themen vor. Beispiel ist das neue Buch von Prof. Dr. Hierl zu Mobile Payment: In der Publikation mit mehreren Autorenbeiträgen wird untersucht, warum Mobile Payment in der Vergangenheit gescheitert ist und welche Anforderungen Kunden und Händler ans Bezahlen mit dem Handy stellen. Ein Praxistest an über 261 Verkaufsstellen und in 119 Unternehmensgruppen gibt Aufschluss darüber, was sich in der Zukunft ändern muss. Die Test-Ergebnisse finden sich im Buch „Mobile Payment“, das im Sommer im Springer Verlag erscheint.

Viele der Gastredner namhafter Firmen, aber auch kleine Start-ups, setzen auf neue Medien und die intelligente Nutzung von Daten, um Kunden besser zu verstehen und sie vor, während und nach ihrem Einkauf zu begleiten. Auf der Rednerliste standen unter anderem SAP, Mister Spex, Payback, Kaufland, Lidl, DHL, IBM, das Haus der Musik und GMV Team.

App als Einkaufs-Begleiter: Payback konzentriert sich darauf, digitale Technologien direkt im Laden umzusetzen, denn trotz aller Euphorie werden erst rund zehn Prozent aller Umsätze online getätigt. Betritt ein Kunde das Geschäft eines Payback-Partners, erscheinen die passenden Aktionen und Coupons auf der Smartphone-Oberfläche. Selbst das mobile Bezahlen ist beim Payback-Partner dm seit einigen Monaten möglich, erklärte Dr. Philip Reichhart, Program Lead Digital POS. 

Online goes offline: Während viele Händler schauen, wie sie sich in der Zukunft digital aufstellen, geht der Online-Händler Mister Spex den umgekehrten Weg. Die drittgrößte Brillenmarke Europas, erklärte Head of Multichannel Hans Peter Klatt, hat 2016 drei neue Läden in umsatzstarken Regionen eröffnet. Das Ladendesign und die Verkaufsprozesse sind den Vorgängen auf der Webseite nachempfunden. Ein Beispiel: Der Online-Kunde hat die Möglichkeit, vier Brillen zum Anprobieren nach Hause zu bestellen. Auch in der Filiale gibt es ein Brillen-Tablett, auf das der Kunde vier Brillen seiner Wahl legen kann.

Unternehmergeist: Etwas lernen konnten etablierte Händler auch von den jungen Start-ups, die bei der Start-up Challenge ihre neuen Konzepte präsentierten. SugarTrends, Fashion Cloud, Topomoja und Parcel.One konkurrierten mit spannenden Ideen um die Gunst des Publikums, das per elektronischem Voting über den Sieger entschied. Am Ende konnte Mitbegründer René Schnellen von Fashion Cloud den Wettbewerb knapp für sich entscheiden. Fashion Cloud ist eine Online-Plattform, über die zahlreiche Modebrands Marketingmaterial und Produktdaten mit ihren Handelspartnern teilen.

Essen aus dem Netz: Der gesamte Wocheneinkauf kann am Standort Berlin bei Kaufland online erfolgen und wird, wenn nötig, sogar noch in den Kühlschrank geräumt, berichtet Dr. Marcus Rodermann, Geschäftsführer von Kaufland Omnichannel International. Beim Start hat die Nachfrage das Angebot überrollt, Kaufland arbeitet intensiv daran, die Drop-Dichte und die Lieferprozesse zu optimieren. Liefern per E-Auto bleibt hingegen erstmal eine Vision: Wegen der schweren Batterien ist die Ladekapazität noch zu gering.

Hightech im Himmel: Ein wenig sieht es aus wie in einem James Bond Film, wenn die knallgelbe Drohne mit dem roten Schriftzug auf dem Dach einer Packstation landet, sich das Glasdach öffnet und das Paket wie auf Schienen in die Packstation gleitet. Vorrangige Aufgabe des DHL- Paketcopter 3.0. ist es, entlegene Regionen kostengünstig und schnell mit Paketen zu versorgen. Nicht einmal vier Jahre dauerte es von den ersten zaghaften Drohnenflügen über den Rhein bis zum vollkommen autonom gesteuerten Paketcopter 3.0, der Distanzen von acht Kilometern überwindet, so Paul Muller von DHL.

Zukunftsmusik aus Händlersicht: Mit Posaunenklängen und Best Practice Beispielen aus seinem inzwischen umfassend digital aufgestelltem Musikhandel setzte Wolfgang Meyer den Schlussakkord der Retail Innovation Days. Aus seiner Sicht geht es vor allem um die Kunst, das Orchester aus digitalen und stationären Angeboten gekonnt und zum eigenen Vorteil zu dirigieren. Das Anlegen von Produkt-Datenbanken, die Akquise von Kundendaten und die gezielte Werbung über Social Media waren Themen, die von der klaren Botschaft gerahmt wurden: Händler müssen da sein, wo ihre Kunden sind. Mit Unternehmergeist, der Liebe zum eigenen Produkt und dem Mut, Neues auszuprobieren, stehen dem stationären Handel viele digitale Türen offen.